Die Deutsche Wildtierstiftung schlägt kurz vor dem Jahreswechsel erneut Alarm: Das Silvesterfeuerwerk stellt eine erhebliche Bedrohung für heimische Wildtiere dar – mit teils tödlichen Folgen. Nach Einschätzung der Stiftung ist auch in diesem Jahr mit zahlreichen verletzten und verendeten Tieren zu rechnen, die dem plötzlichen Lärm, den Lichtblitzen und der allgemeinen Unruhe nicht standhalten.
Der Vorstand der Stiftung, Klaus Hackländer, beschreibt die Situation eindringlich. Nach nahezu jeder Silvesternacht würden in Städten und Siedlungsnähe tote Vögel gefunden. In Panik aufgeschreckt flögen sie gegen Hauswände, Fensterscheiben oder andere Hindernisse – oft mit tödlichem Ausgang. Besonders nachts orientieren sich viele Vogelarten visuell, was durch grelle Explosionen massiv gestört wird.
Winterschlaf unterbrochen – mit fatalen Folgen
Neben Vögeln sind auch andere Tiere betroffen. Igel etwa, die sich eigentlich im schützenden Winterschlaf befinden, werden durch die detonierenden Knallkörper aus ihrer Ruhe gerissen. Ein vorzeitiges Erwachen ist für sie lebensgefährlich: In der kalten Jahreszeit finden sie kaum Nahrung, verlieren wertvolle Energie und können geschwächt oder gar nicht mehr in den Winterschlaf zurückkehren.
Auch größere Wildtiere wie Wildschweine und Rehe reagieren extrem sensibel auf die plötzliche Lärmkulisse. Sie flüchten in Panik, legen weite Strecken zurück oder stoßen sich an Zäunen und Bäumen. Dabei verbrauchen sie dringend benötigte Fettreserven, die sie eigentlich zum Überleben des Winters brauchen. Besonders in strengen Wintern kann dieser unnötige Energieverlust über Leben und Tod entscheiden.
Rekordnachfrage nach Feuerwerk verschärft das Problem
Trotz der bekannten Risiken steigt die Nachfrage nach Feuerwerkskörpern weiter. Nach Angaben des Statistisches Bundesamt wurden bis September dieses Jahres mehr als 42.000 Tonnen Feuerwerk nach Deutschland importiert – ein Rekordwert. Diese Entwicklung lässt befürchten, dass die Belastung für Tiere rund um den Jahreswechsel weiter zunimmt.
Die Deutsche Wildtierstiftung appelliert daher an die Bevölkerung, Rücksicht auf die Natur zu nehmen. Jeder Verzicht auf Böller und Raketen helfe, unnötiges Leid zu vermeiden. Besonders in der Nähe von Parks, Wäldern und Gewässern sei Zurückhaltung geboten. Ein ruhiger Jahreswechsel sei nicht nur sicherer für Menschen, sondern könne für viele Tiere den entscheidenden Unterschied bedeuten.
Aus Sicht der Stiftung ist das Silvesterfeuerwerk längst kein harmloser Brauch mehr, sondern ein ernstzunehmendes Naturschutzproblem – eines, das sich mit bewusstem Verhalten zumindest abmildern ließe.