Das Schul-Impfprojekt gegen Humane Papillomviren (HPV) in Sachsen wird nach Einschätzung der Initiatoren sehr gut angenommen. Immer mehr Schulen beteiligen sich an dem Angebot, das darauf abzielt, Jugendliche frühzeitig und niedrigschwellig vor gefährlichen Virusinfektionen zu schützen. Initiiert wurde das Projekt von Cornelia Hösemann, die sich seit Jahren für eine bessere Prävention einsetzt.
Im Gespräch mit dem Mitteldeutscher Rundfunk erklärte Hösemann, dass sich kontinuierlich neue Schulen meldeten, die ihren Schülerinnen und Schülern eine HPV-Impfung ermöglichen wollen. Das zeige, dass das Interesse an Prävention grundsätzlich vorhanden sei – sowohl bei Schulen als auch bei vielen Eltern.
Ärztemangel bremst das Projekt aus
Trotz der positiven Resonanz stößt das Projekt jedoch an praktische Grenzen. Das größte Problem sei derzeit der Mangel an verfügbaren Ärztinnen und Ärzten, die die Impfungen vor Ort durchführen könnten. Die Nachfrage übersteige die personellen Kapazitäten deutlich. Dadurch könnten längst nicht alle interessierten Schulen und Klassen zeitnah versorgt werden.
Dieser Engpass verdeutlicht ein strukturelles Problem im Gesundheitswesen: Präventionsangebote stoßen häufig dort an ihre Grenzen, wo es an medizinischem Personal fehlt. Gerade Schulimpfungen erfordern zusätzlichen organisatorischen und zeitlichen Aufwand, der im ohnehin belasteten Praxisalltag vieler Ärzte kaum zu leisten ist.
Niedrige Impfquote hat weitere Ursachen
Nach Einschätzung von Cornelia Hösemann ist der Ärztemangel jedoch nicht der einzige Grund für die insgesamt niedrige HPV-Impfquote bei Jugendlichen in Deutschland. Eine begleitende Untersuchung habe gezeigt, dass es nach wie vor erhebliche Wissenslücken gebe – insbesondere bei Eltern von Jungen.
Viele Eltern seien sich nicht bewusst, dass die HPV-Impfung nicht nur Mädchen betrifft. Während der Zusammenhang zwischen HPV und Gebärmutterhalskrebs bei Frauen vergleichsweise bekannt sei, werde das Risiko für Jungen häufig unterschätzt oder gar nicht wahrgenommen. Entsprechend würden Impfangebote für männliche Jugendliche seltener genutzt.
HPV betrifft Mädchen und Jungen gleichermaßen
Humane Papillomviren gehören zu den häufigsten sexuell übertragenen Viren weltweit. Eine Infektion verläuft oft unbemerkt, kann jedoch Jahre später schwerwiegende Folgen haben. Bei Frauen können bestimmte HPV-Typen Gebärmutterhalskrebs auslösen, bei Männern unter anderem Peniskrebs. Zudem stehen die Viren im Zusammenhang mit Krebsarten im Mund-, Rachen- und Analbereich – bei beiden Geschlechtern.
Die Ständige Impfkommission empfiehlt die HPV-Impfung daher ausdrücklich für Mädchen und Jungen, idealerweise vor dem ersten sexuellen Kontakt. Schulimpfprojekte gelten als besonders wirksam, da sie Aufklärung und Impfung direkt miteinander verbinden und soziale Hürden abbauen.
Aufklärung bleibt entscheidend
Das sächsische Schul-Impfprojekt zeigt, welches Potenzial in präventiven Angeboten steckt, wenn sie gut organisiert und niedrigschwellig sind. Gleichzeitig macht es deutlich, dass Aufklärung eine zentrale Rolle spielt. Ohne gezielte Information – insbesondere für Eltern – bleiben viele Chancen ungenutzt.
Cornelia Hösemann sieht das Projekt daher nicht nur als Impfangebot, sondern auch als Bildungsinitiative. Ihr Ziel: mehr Wissen, weniger Vorbehalte und langfristig eine deutlich höhere Impfquote. Denn je früher Jugendliche geschützt sind, desto größer ist die Chance, schwere Erkrankungen im Erwachsenenalter zu verhindern.