Die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern in Deutschland bleiben bestehen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, lag der sogenannte Gender Pay Gap auch in diesem Jahr unverändert bei 16 Prozent. Damit verdienen Frauen pro Arbeitsstunde weiterhin deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen.
Mehr als vier Euro Unterschied pro Stunde
Konkret erhielten Frauen im Durchschnitt knapp 23 Euro pro Stunde, während Männer auf einen um mehr als vier Euro höheren Stundenlohn kamen. Trotz zahlreicher politischer Initiativen, gesellschaftlicher Debatten und gesetzlicher Maßnahmen hat sich die Lohnlücke im Vergleich zum Vorjahr nicht verkleinert.
Strukturelle Ursachen weiterhin entscheidend
Der Gender Pay Gap ergibt sich aus mehreren Faktoren. Frauen arbeiten häufiger in schlechter bezahlten Branchen, übernehmen öfter Teilzeitjobs und unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit beispielsweise für Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen. Zudem sind sie seltener in Führungspositionen vertreten, die meist besser vergütet werden.
Ein Teil der Lohnlücke lässt sich statistisch erklären, ein anderer Teil gilt als bereinigter Gender Pay Gap – also als Unterschied, der selbst bei vergleichbarer Tätigkeit, Qualifikation und Arbeitszeit bestehen bleibt.
Öffentlicher Dienst nicht vollständig berücksichtigt
Wichtig ist zudem: In der aktuellen Berechnung sind bestimmte Bereiche wie der öffentliche Dienst und der Verteidigungssektor nicht vollständig enthalten. Das bedeutet, dass die tatsächliche Lohnsituation je nach Branche unterschiedlich ausfallen kann.
Kritik an langsamen Fortschritten
Gleichstellungsverbände kritisieren seit Jahren, dass der Abbau der Lohnlücke nur sehr schleppend vorankommt. Sie fordern unter anderem mehr Transparenz bei Gehältern, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie gezielte Förderung von Frauen in gut bezahlten Berufen und Führungspositionen.
Fazit
Der unveränderte Gender Pay Gap von 16 Prozent zeigt: Trotz gesellschaftlichen Wandels und politischer Bemühungen bleibt die Entgeltgleichheit zwischen Frauen und Männern in Deutschland ein ungelöstes Problem. Ohne tiefgreifende strukturelle Veränderungen dürfte sich an dieser Zahl auch in den kommenden Jahren nur wenig ändern.