Die Wahrnehmung der gesellschaftlichen Lage in Deutschland ist deutlich pessimistisch. Eine repräsentative Umfrage von infratest dimap im Auftrag der ARD zeigt: Die große Mehrheit der Bevölkerung empfindet den gesellschaftlichen Zusammenhalt als angeschlagen. 75 Prozent der Befragten bewerten den Zustand des Miteinanders als „eher schlecht“ oder sogar „sehr schlecht“. Lediglich 22 Prozent sehen den Zusammenhalt noch in einem eher guten Zustand.
Gefühl der Spaltung prägt das Stimmungsbild
Die Ergebnisse zeichnen das Bild eines Landes, das sich innerlich zunehmend auseinanderentwickelt. Viele Menschen nehmen wachsende Gegensätze wahr – politisch, sozial und kulturell. Themen wie Migration, wirtschaftliche Unsicherheit, soziale Gerechtigkeit, Klimapolitik oder der Umgang mit Krisen der vergangenen Jahre haben das Vertrauen in ein gemeinsames gesellschaftliches Fundament offenbar geschwächt.
Deutliche Unterschiede zwischen den Generationen
Auffällig sind die Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Ältere Befragte bewerten den gesellschaftlichen Zusammenhalt spürbar positiver als junge Erwachsene. Während ältere Generationen häufiger Stabilität und Kontinuität wahrnehmen, äußern sich jüngere Menschen deutlich skeptischer. Viele von ihnen empfinden Zukunftsängste, steigende Lebenshaltungskosten und fehlende politische Perspektiven als Belastung für den sozialen Zusammenhalt.
Politische Lager beeinflussen die Wahrnehmung
Besonders pessimisch fällt die Einschätzung unter den Anhängerinnen und Anhängern der AfD aus. In dieser Gruppe ist das Gefühl einer tiefen gesellschaftlichen Spaltung am stärksten ausgeprägt. Aber auch über Parteigrenzen hinweg zeigt sich: Das Vertrauen in gemeinsame Werte und einen konstruktiven gesellschaftlichen Dialog ist insgesamt geschwächt.
Vertrauensverlust als Warnsignal
Sozialforscher werten die Ergebnisse als Warnsignal. Ein dauerhaftes Gefühl von Spaltung kann das Vertrauen in demokratische Institutionen untergraben und den gesellschaftlichen Dialog weiter erschweren. Wenn sich große Teile der Bevölkerung nicht mehr als Teil eines gemeinsamen Ganzen fühlen, wächst die Gefahr von Polarisierung und Radikalisierung.
Fazit
Die Umfrage macht deutlich: Der gesellschaftliche Zusammenhalt in Deutschland wird von vielen Menschen als fragil erlebt. Unterschiede zwischen Generationen und politischen Lagern verstärken dieses Gefühl. Die Ergebnisse legen nahe, dass Politik, Medien und Zivilgesellschaft vor einer zentralen Aufgabe stehen: Vertrauen zurückzugewinnen, Dialog zu fördern und gemeinsame Perspektiven zu stärken, um einer weiteren Vertiefung der gesellschaftlichen Spaltung entgegenzuwirken.