Die Grippesaison hat in Sachsen-Anhalt deutlich früher begonnen als üblich – und mit auffallend hohen Fallzahlen. Nach aktuellen Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) wurden in den vergangenen zwei Wochen 588 laborbestätigte Influenza-Fälle im Bundesland registriert. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es lediglich 81 Fälle. Damit verzeichnet Sachsen-Anhalt einen besonders starken Anstieg und liegt klar über dem bundesweiten Durchschnitt.
Besonders deutlich wird der Unterschied beim Blick auf die erste Dezemberwoche. Hier lag die Zahl der gemeldeten Grippefälle in Sachsen-Anhalt dreimal so hoch wie im Bundesdurchschnitt. Überall wird gehustet und geschnieft, viele Menschen klagen über Fieber, Gliederschmerzen und starke Erschöpfung – typische Symptome einer Influenza-Infektion.
Trotz der hohen Meldezahlen gibt es jedoch auch eine vorsichtige Entwarnung. Das Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt betont, dass die Zahl der Arztbesuche wegen akuter Atemwegserkrankungen derzeit noch im saisonüblichen, moderaten Bereich liege. Auch das RKI weist darauf hin, dass Atemwegserkrankungen deutschlandweit zwar auf einem hohen, aber für die Jahreszeit nicht ungewöhnlichen Niveau liegen. Schwere Krankheitsverläufe sind bislang selten.
Corona ebenfalls über dem Durchschnitt
Neben der Grippe sorgt auch Corona weiterhin für eine spürbare Belastung. In den vergangenen zwei Wochen wurden in Sachsen-Anhalt 1.337 Corona-Infektionen gemeldet. Zwar steigt die Zahl der Neuinfektionen langsamer als bei der Influenza, doch bezogen auf die Bevölkerungszahl liegt auch hier das Bundesland über dem bundesweiten Schnitt.
Zusätzliche Hinweise liefert die Abwasserüberwachung. Das zuständige Umweltamt meldet eine zunehmende Viruslast in Kläranlagen unter anderem in Halle, Magdeburg und Dessau. Solche Daten gelten als früher Indikator dafür, dass sich Viren wieder stärker in der Bevölkerung verbreiten – oft noch bevor viele Menschen einen Arzt aufsuchen.
Gesundheitsbehörden mahnen zur Vorsicht
Gesundheitsbehörden raten insbesondere älteren Menschen, chronisch Kranken und Personen mit geschwächtem Immunsystem zu erhöhter Vorsicht. Grippe- und Corona-Impfungen könnten helfen, schwere Krankheitsverläufe zu vermeiden. Zudem gelten weiterhin einfache Schutzmaßnahmen als sinnvoll: regelmäßiges Händewaschen, Abstand bei Krankheitssymptomen und das Tragen von Masken in sensiblen Bereichen wie Arztpraxen oder Pflegeeinrichtungen.
Ob sich die frühe Grippewelle weiter verschärft oder auf hohem Niveau stabilisiert, lässt sich derzeit noch nicht abschließend beurteilen. Klar ist jedoch: Sachsen-Anhalt ist in diesem Winter besonders früh und besonders stark betroffen – und die kommenden Wochen werden zeigen, wie sich die Lage weiterentwickelt.