Im bevorstehenden Tarifstreit zwischen der Lufthansa und ihren mehr als 20.000 Bodenbeschäftigten hat die Gewerkschaft Verdi ihre Forderungen deutlich präzisiert – und setzt den Konzern damit früh unter Druck. Verhandlungsführer Marvin Reschinsky kündigte in Frankfurt an, man strebe ein Lohnplus von sechs Prozent an. Angesichts der aktuellen Inflation, hoher Arbeitsbelastung und zunehmender Personalengpässe sei diese Forderung „nicht nur angemessen, sondern notwendig“.
Mindestanhebungen sollen unteren Lohngruppen helfen
Neben der prozentualen Erhöhung verlangt Verdi einen monatlichen Mindestbetrag von 250 Euro – ein Instrument, das insbesondere Beschäftigten in niedrigeren Entgeltgruppen zugutekommen soll. „Wir erleben seit Jahren eine enorme Verdichtung der Arbeit, aber die Löhne entwickeln sich nicht im gleichen Tempo“, so Reschinsky. Die Arbeitgeberseite habe es bisher versäumt, den Arbeitsplatz Bodenverkehrsdienste attraktiver zu machen.
Auch die Auszubildenden sollen profitieren: Ihre Vergütung soll nach Vorstellung der Gewerkschaft um 175 Euro monatlich steigen. Damit möchte Verdi verhindern, dass junge Fachkräfte frühzeitig abspringen oder sich für andere Branchen entscheiden.
Deutschlandticket als Teil des Gesamtpakets
Eine weitere Forderung betrifft die Mobilität der Beschäftigten: Die Lufthansa soll künftig das Deutschlandticket finanzieren. Viele Mitarbeitende pendeln täglich zu großen Drehkreuzen wie Frankfurt und München – mit erheblichen Kosten. Das Ticketmodell sei ein „echter Standortvorteil“ und zugleich ein Beitrag zur Entlastung der Belegschaft.
Belastung an Flughäfen bleibt hoch
Der Tarifkonflikt fällt in eine Phase, in der die Lufthansa-Bodenbeschäftigten seit Monaten über zunehmenden Druck klagen. Eng getaktete Flugpläne, Personalmangel und häufige Krankheitsausfälle sorgen insbesondere an großen Flughäfen für Überstunden und Stress. Die letzten Tarifabschlüsse konnten nach Ansicht der Gewerkschaft diesen Entwicklungen nicht ausreichend entgegenwirken.
Lufthansa reagiert zurückhaltend
Die Lufthansa äußerte sich zunächst nur verhalten zu den Forderungen. Aus Unternehmenskreisen heißt es, man erkenne die Belastung der Beschäftigten an, müsse jedoch auch „wirtschaftliche Realitäten und die internationale Wettbewerbsfähigkeit“ im Blick behalten. Beobachter rechnen mit schwierigen Verhandlungen und einem erhöhten Risiko von Warnstreiks – insbesondere im Reiseverkehr zum Jahresbeginn.
Ausblick: Harte Tarifrunde erwartet
Die Gespräche zwischen Verdi und der Lufthansa sollen in den kommenden Wochen beginnen. Erfahrungsgemäß zählen die Verhandlungen für das Bodenpersonal zu den konfliktträchtigsten innerhalb des Konzerns, weil Personal- und Betriebskosten hier besonders eng miteinander verknüpft sind.
Für Passagiere könnten die Forderungen ein weiteres Jahr mit Unsicherheiten bedeuten – denn sollte es in den Gesprächen keine Annäherung geben, sind Streiks am Boden nicht ausgeschlossen.