Mailand hat genug vom grenzenlosen Ferienwohnungs-Hype – und geht jetzt mit einer Maßnahme vor, die in Europa für Aufsehen sorgt. Die italienische Metropole verbietet künftig die weithin sichtbaren Schlüsselkästchen, die an Hausfassaden, Gartenzäunen oder Eingangsgittern hängen und den Zugang zu Airbnb- & Co.-Unterkünften ermöglichen. Was auf den ersten Blick wie ein kleines Detail wirkt, zielt in Wahrheit mitten ins Herz des ausufernden Kurzzeitvermietungsmarktes.
Das Problem ist längst stadtbildprägend geworden
Tausende dieser kleinen Metallkästen prangen in Mailands Altstadt, in Wohnstraßen und in ehemals normalen Mietvierteln. Für die Stadtverwaltung sind sie inzwischen Symbol eines völlig überhitzten Marktes: Die Zahl der Ferienwohnungen steigt seit Jahren ungebremst, klassische Mietwohnungen werden immer knapper und teurer, und ganze Hausflure mutieren zu anonymen Mini-Hotels mit ständig wechselnden Gästen.
Die Stadt begründet das Verbot nicht nur mit ästhetischen Gründen, sondern vor allem mit Sicherheits- und Ordnungsaspekten. Schlüsselkästchen machen es Dieben leichter, ermöglichen ungeregelten Zutritt und zeigen zugleich unverhohlen, dass in bestimmten Wohnungen niemand dauerhaft lebt. Zudem häufen sich Beschwerden über Lärm, Verwahrlosung in Aufgängen und fehlende Ansprechpartner, wenn Urlauber mitten in der Nacht ein- und ausziehen.
Mehr Kontrolle über Kurzzeitvermietungen
Das Verbot ist Teil eines Maßnahmenpakets, mit dem die Stadt Mailand wieder Kontrolle über den Wohnungsmarkt gewinnen will. Während in vielen europäischen Städten ähnliche Probleme bestehen, setzt Mailand nun einen besonders sichtbaren Hebel an. Vermieter sollen verpflichtet werden, persönliche Schlüsselübergaben oder digitale Systeme ohne sichtbare Außenmontage zu nutzen. Hotels und reguläre Pensionen begrüßen den Schritt, da er die ungleichen Wettbewerbsbedingungen zumindest etwas abschwächt.
Kurzzeitvermieter hingegen beklagen eine „Kriminalisierung“ legaler touristischer Angebote. Doch die Zahlen sprechen für sich: In beliebten Vierteln sind inzwischen über 20 Prozent aller Wohnungen als Ferienunterkünfte gelistet. Viele Bewohner werden verdrängt, innerstädtisches Leben verliert seine Struktur – und die Stadt steuert dagegen.
Ein kleines Kästchen mit großer Wirkung
Ob das Verbot allein die Lage entspannen wird, bleibt offen. Doch Mailand macht klar, dass die Zeiten des freien Durchlavierens vorbei sind. Schlüsselkästchen mögen klein sein – aber sie stehen für ein großes städtisches Problem, das nun nicht länger ignoriert wird. Andere europäische Städte werden genau hinsehen, ob der Mailänder Ansatz Wirkung zeigt.