In Niedersachsen wird der Weg zur Arbeit für viele junge Menschen ab Januar deutlich erschwinglicher. Nach jahrelangen Forderungen aus Politik, Verbänden und Ausbildungsbetrieben führt das Land ein eigenes, vergünstigtes Deutschland-Ticket speziell für Auszubildende und Freiwilligendienstleistende ein. Damit erhalten tausende junge Menschen Zugang zu einem bundesweit gültigen Nahverkehrsticket, das spürbar weniger kostet als die reguläre Variante.
Der monatliche Preis des klassischen Deutschland-Tickets steigt zum Jahresbeginn auf 63 Euro. Für Azubis greift das Land jedoch finanziell ein: Niedersachsen übernimmt 20 Prozent der Kosten, sodass das Ticket für diese Gruppe nur noch 50,40 Euro pro Monat kostet. Das Wirtschaftsministerium bestätigte dem NDR den bevorstehenden Start und betonte die Bedeutung der Maßnahme für die Attraktivität der dualen Ausbildung.
Noch günstiger wird es, wenn der jeweilige Ausbildungsbetrieb sich an der Finanzierung beteiligt. Ein verpflichtender Arbeitgeberzuschuss ermöglicht einen Ticketpreis von 31,50 Euro im Monat, und sofern Unternehmen freiwillig mehr beisteuern, kann der Betrag weiter sinken. Das vergünstigte Ticket gilt bundesweit in allen Nahverkehrszügen, Bussen, Straßenbahnen und U-Bahnen – und zwar rund um die Uhr, auch in der Freizeit.
Für die öffentliche Hand ist das Vorhaben nicht billig: Rund 14 Millionen Euro jährlich plant Niedersachsen für Zuschüsse zum Azubi-Ticket ein. Landesverkehrsminister Grant Hendrik Tonne (SPD) will die entsprechende Finanzierungsvereinbarung gemeinsam mit der Landesnahverkehrsgesellschaft und weiteren Partnern unterschreiben. Unter anderem unterstützen die Arbeitsagentur, die Industrie- und Handelskammer Niedersachsen, der Deutsche Gewerkschaftsbund sowie Arbeitgeberverbände, Handwerkskammern und die Landwirtschaftskammer das Projekt.
Die Landesregierung geht davon aus, dass etwa 100.000 junge Menschen das Angebot nutzen werden – ungefähr jeder zweite Auszubildende im Land. Zwar hatte die rot-grüne Koalition ursprünglich ein 29-Euro-Ticket für Azubis ins Auge gefasst, doch die Einführung des bundesweiten Deutschland-Tickets veränderte die Ausgangslage. Entsprechend fiel die Reaktion des Landesschülerrats verhalten aus, als klar wurde, dass der frühere Plan nicht vollständig umgesetzt wird.
In Teilen Niedersachsens, etwa in der Region Hannover, profitieren junge Menschen bereits von stark reduzierten Deutschland-Tickets. Die landesweite Lösung schafft nun erstmals ein einheitliches, verlässliches Angebot – und könnte damit ein wichtiger Baustein sein, um die duale Ausbildung attraktiver zu machen und jungen Menschen finanzielle Entlastung im Alltag zu bieten.