Wer sein Girokonto ins Minus rutschen lässt, zahlt dafür so viel wie seit Jahren nicht mehr. Eine aktuelle Auswertung des Vergleichsportals Verivox zeigt: Das Überziehen des Kontos gehört weiterhin zu den teuersten Formen der kurzfristigen Geldbeschaffung.
Hohe Belastung schon innerhalb des Dispokredits
Bereits innerhalb des mit der Bank vereinbarten Dispositionsrahmens veranschlagen Kreditinstitute im Durchschnitt 11,31 Prozent Zinsen. Das bedeutet: Wer nur wenige Wochen im Minus ist, zahlt bereits spürbar drauf – und für Menschen, die dauerhaft im Dispo hängen, wird es schnell zu einer echten Kostenfalle.
Noch teurer wird es im ungeplanten Minus
Rutscht man über den vereinbarten Disporahmen hinaus ins sogenannte „geduldete Überziehen“, steigen die Kosten massiv. Hier berechnen Banken im Schnitt zusätzlich 4,26 Prozentpunkte Aufschlag.
Damit erreichen die Zinssätze im Extremfall beeindruckende 19,75 Prozent – fast so viel wie bei klassischen Kreditkarten-Schulden oder teuren Konsumentenkrediten.
6.800 Kontomodelle ausgewertet – breites Bild der Branche
Für die Studie wertete Verivox Daten der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zu 6.800 Girokonto-Modellen aus. Die Analyse zeigt:
Die Zinssätze variieren zwar von Bank zu Bank, doch der Trend bleibt eindeutig – Überziehungszinsen sind und bleiben im europäischen Vergleich außergewöhnlich hoch.
Warum bleibt der Dispo so teuer?
Finanzexperten nennen mehrere Gründe:
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Bequemlichkeit und Gewohnheit: Viele Kunden nehmen den Dispo in Kauf, statt aktiv nach Alternativen zu suchen.
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Banken nutzen Verhaltensmuster: Institute wissen, dass ein großer Teil der Kunden im Minus bleibt und zahlen muss.
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Steigende Refinanzierungskosten: Banken geben Zinssteigerungen häufig schneller weiter, als sie ihre Guthabenzinsen anheben.
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Kalkulierte Risikoaufschläge: Kurzfristige Kredite gelten als risikoreicher – das lassen sich Banken hoch bezahlen.
Verbraucher geraten oft dauerhaft in die Schuldenfalle
Besonders problematisch: Viele Menschen nutzen den Dispo nicht nur kurzfristig, sondern über Monate oder Jahre hinweg. Dabei ist dieser Kredit eigentlich für sehr kurze Engpässe gedacht – nicht für langfristige Finanzierung.
Wer dauerhaft im Minus bleibt, zahlt je nach Kontostand schnell Hunderte Euro pro Jahr an Zinsen – ohne dass sich die finanzielle Lage verbessert.
Welche Alternativen gibt es?
Verbraucherschützer empfehlen:
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Ratenkredite prüfen – oft viel günstiger als der Dispo
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Guthabenkonten oder Konto-Apps mit Budgetwarnungen nutzen
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Bei dauerhaften Problemen: Schuldnerberatung in Anspruch nehmen
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Bank wechseln, wenn die Konditionen besonders schlecht sind
Fazit: Das teuerste Minus bleibt – trotz Zinswende
Die aktuelle Analyse zeigt: Auch wenn Banken bei Sparzinsen zögern, schlagen sie bei Überziehungszinsen weiterhin kräftig zu. Für Verbraucher gilt deshalb mehr denn je:
Der Dispo ist die teuerste Art, Geld zu leihen – und sollte nur im absoluten Notfall genutzt werden.