In Frankreich spitzt sich der Widerstand gegen die umstrittene Billig-Onlineplattform Shein weiter zu. Zwölf große Handels- und Industrieverbände haben angekündigt, gemeinsam juristische Schritte gegen den Konzern einzuleiten. Der Vorwurf: systematischer unlauterer Wettbewerb – und zwar in einem Maße, das nach Ansicht der Verbände nicht nur heimische Unternehmen gefährdet, sondern auch Verbraucher erheblichen Risiken aussetzt.
Vorwurf: Wettbewerb verzerrt durch Regelbruch
Laut den Verbänden beobachtet der französische Handel seit Jahren eine massive Wettbewerbsverzerrung durch außereuropäische Plattformen wie Shein und Temu. Das Geschäftsmodell dieser Anbieter basiere darauf, Vorschriften und Standards zu umgehen, die für in Frankreich ansässige Unternehmen verbindlich sind. Dazu gehören unter anderem:
-
Sicherheits- und Qualitätsstandards für Produkte,
-
Transparenzpflichten,
-
Steuer- und Zollvorschriften,
-
Arbeits- und Umweltauflagen,
-
sowie Regelungen zu Verbraucherschutz und Rücksendungen.
Während französische Händler hohe Kosten tragen müssen, um diese Vorgaben einzuhalten, könne Shein mit extrem niedrigen Preisen agieren – und dadurch den Markt „überrollen“.
„Massive Praktiken gefährden Verbraucher und Unternehmen“
In der gemeinsamen Erklärung der zwölf Verbände heißt es, die Beobachtungen seien keine Einzelfälle, sondern systematische Verstöße, die den gesamten Markt unter Druck setzten. Wörtlich sprechen die Verbände von „massiven Praktiken“, die:
-
die Sicherheit der Verbraucher gefährden,
-
den fairen Wettbewerb untergraben,
-
Arbeitsplätze in Frankreich bedrohen,
-
und ganze Branchen schwächen, insbesondere Mode, Textil und Handel.
Besonders kritisiert werden extrem niedrige Preise, die nur dadurch möglich seien, dass Produkte häufig unter fragwürdigen Bedingungen hergestellt und ohne ausreichende Kontrollen nach Europa geliefert würden.
Ein Muster, das Europa zunehmend alarmiert
Frankreich ist nicht das erste Land, das gegen Shein vorgeht – aber das erste, das einen so breit angelegten rechtlichen Vorstoß plant. Auch in anderen EU-Staaten wächst der Druck:
-
Die EU-Kommission untersucht bereits mutmaßliche Verstöße gegen Produktsicherheits- und Umweltauflagen.
-
Mehrere Verbraucherschutzorganisationen warnen vor giftigen Chemikalien in Kleidung und Kinderspielzeug.
-
Zollbehörden berichten von vielen Paketen, die falsch deklariert oder unter Wert angegeben sind, um Abgaben zu vermeiden.
Der Fall hat damit Signalwirkung weit über Frankreich hinaus.
Warum gerade jetzt?
Der Druck auf Shein wächst seit Monaten. Gründe sind unter anderem:
-
die explosionsartige Zunahme von Mikro-Bestellungen aus China,
-
der Marktanteilverlust europäischer Händler,
-
die starke Kritik an Sheins Produktionsmodell („Ultrafast Fashion“),
-
und neue EU-Regeln, die ab 2026 strengere Kontrollen bei Importen vorsehen.
Frankreich will mit der Klage offenbar ein Zeichen setzen, bevor neue EU-Regularien greifen.
Wie geht es weiter?
Die Verbände wollen in den kommenden Wochen die Klage offiziell einreichen. Juristisch könnte der Fall weitreichende Folgen haben – nicht nur für Shein, sondern für alle Plattformen, die nach einem ähnlichen Modell arbeiten.
Im Raum stehen mögliche Forderungen nach:
-
Strengeren Zollkontrollen,
-
Sanktionen,
-
Verkaufsbeschränkungen,
-
oder sogar einem temporären Vertriebsverbot, sollten die Vorwürfe bestätigt werden.
Shein selbst hat zu den aktuellen Vorwürfen bislang nicht öffentlich Stellung genommen.