Ob im Supermarkt, im Möbelhaus oder an der Tankstelle – Selbstbedienungskassen sind auf dem Vormarsch. Immer mehr Handelsketten in Deutschland setzen auf das Prinzip „Scan & Go“. Der Grund: akuter Personalmangel, steigende Betriebskosten und der Wunsch vieler Kundinnen und Kunden nach schnellerem Einkauf.
Nach aktuellen Branchenangaben nutzen inzwischen rund zwei Drittel der Deutschen regelmäßig oder gelegentlich SB-Kassen. Vor allem jüngere Menschen und Berufstätige schätzen den Zeitvorteil, den sie beim Einkauf erleben: kein Anstehen, kein Smalltalk, einfach scannen, zahlen, gehen. „Es geht schneller und man ist unabhängiger“, sagt etwa eine Kundin in Berlin.
Doch das System spaltet die Kundschaft. Kritiker sehen in den neuen Kassen einen stillen Stellenabbau im Einzelhandel. Gewerkschaften warnen, dass langfristig weniger Kassiererinnen und Kassierer gebraucht werden – und dass die persönliche Beratung, gerade für ältere Menschen, verloren gehen könnte.
Hinzu kommt: Nicht jeder fühlt sich mit der Technik wohl. Besonders Ältere empfinden das Scannen, Wiegen und Bezahlen als stressig oder unübersichtlich. „Ich gehe lieber zur Kasse, wo jemand sitzt, der mir hilft“, sagt ein Rentner aus Frankfurt.
Der Handel dagegen argumentiert, dass SB-Kassen keine Arbeitsplätze ersetzen, sondern das Personal entlasten sollen – etwa durch den Einsatz in anderen Bereichen wie Warenverräumung oder Kundenservice. Gleichzeitig werden verstärkt Kombimodelle getestet, bei denen Kunden frei wählen können, ob sie selbst scannen oder den klassischen Weg bevorzugen.
Trotz der Debatte ist der Trend eindeutig: Immer mehr Filialen großer Ketten wie Rewe, Edeka, Lidl oder Ikea bauen ihr Angebot an Selbstbedienungskassen aus. In manchen Märkten läuft der gesamte Einkauf bereits vollständig digital – vom Warenkorb bis zur Bezahlung per App.
Für viele bleibt die entscheidende Frage: Ist das wirklich mehr Freiheit beim Einkauf – oder nur der nächste Schritt in Richtung vollautomatisierter Konsumwelt?