In Deutschland nimmt die Zahl der Corona-Infektionen wieder leicht zu. Gleichzeitig breitet sich eine neue Virusvariante aus, die unter den Namen „Stratus“ und „Frankenstein“ bekannt ist. Fachleute beobachten die Entwicklung aufmerksam, sehen aber bislang keinen Grund zur Panik.
Wie ist die aktuelle Corona-Lage in Deutschland?
Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) liegt die 7-Tage-Inzidenz derzeit bei 5,6 laborbestätigten COVID-19-Fällen pro 100.000 Einwohner. Damit bewegt sich die Zahl der Infektionen seit rund vier Wochen auf stabilem Niveau.
Regional zeigen sich Unterschiede:
-
Saarland: mit 11,2 Fällen pro 100.000 Einwohner aktuell die höchste Inzidenz.
-
Bremen: mit 1,9 Fällen pro 100.000 Einwohner am niedrigsten.
Laut der Virologin Prof. Ulrike Protzer von der Technischen Universität München ist der momentane Anstieg nicht ungewöhnlich. Gegenüber dem Bayerischen Rundfunk erklärte sie:
„Wenn man die Zahl der Corona-Infektionen und auch anderer Atemwegsviren mit dem letzten und vorletzten Jahr vergleicht, ist das im gleichen Rahmen.“
Das bedeutet: Zwar zirkulieren wieder mehr Atemwegsviren, doch von einer neuen Welle oder kritischen Situation könne derzeit keine Rede sein.
Sollte man sich erneut impfen lassen?
Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt auch in diesem Herbst eine Auffrischungsimpfung für bestimmte Risikogruppen. Ziel ist es, schwere Krankheitsverläufe zu verhindern und den Schutz vor neuen Varianten zu verbessern.
Zur empfohlenen Gruppe gehören:
-
Menschen ab 60 Jahren
-
Babys und Kleinkinder ab 6 Monaten mit Vorerkrankungen
-
Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen
-
Menschen mit erhöhtem Risiko in Einrichtungen der Eingliederungshilfe
-
Beschäftigte im Gesundheitswesen mit direktem Kontakt zu Patienten oder Bewohnern
Die Stiko rät, die Auffrischung einmal jährlich im Herbst vorzunehmen – ähnlich wie bei der Grippeschutzimpfung.
Schützen die bisherigen Impfstoffe gegen die neuen Varianten?
Laut aktuellen Erkenntnissen wirken die angepassten Impfstoffe auch gegen neu aufgetretene Varianten, darunter Stratus und Frankenstein, weiterhin gut gegen schwere Verläufe. Zwar können sich Geimpfte weiterhin infizieren, doch die Wahrscheinlichkeit für einen Krankenhausaufenthalt oder einen schweren Krankheitsverlauf ist deutlich geringer.
Gesundheitsexperten betonen, dass der Immunschutz über die Zeit nachlässt – besonders bei älteren Menschen oder Personen mit geschwächtem Immunsystem. Eine regelmäßige Auffrischung bleibt daher wichtig.
Welche Variante ist derzeit am weitesten verbreitet?
Nach Angaben des RKI dominiert in Deutschland weiterhin die Omikron-Linie KP.3, eine Untervariante von Eris. Doch die neue Variante „Stratus“ gewinnt zunehmend an Bedeutung. Sie wurde zuerst in Großbritannien und Skandinavien entdeckt und breitet sich mittlerweile auch in Deutschland aus.
Welche Symptome verursacht „Stratus“?
Die Symptome ähneln weitgehend denen früherer Omikron-Varianten:
-
Halsschmerzen
-
Husten
-
Schnupfen
-
Kopfschmerzen
-
Erschöpfung
-
leichtes Fieber
Einige Patienten berichten zudem von verstärkter Heiserkeit und Gliederschmerzen. Ein Verlust von Geruchs- oder Geschmackssinn ist hingegen selten geworden.
Ist die Stratus-Variante gefährlicher?
Bisher nicht. Nach derzeitigem Kenntnisstand verursacht Stratus keine schwereren Krankheitsverläufe als frühere Varianten. Auch Krankenhausdaten zeigen bislang keinen Anstieg schwerer Fälle. Dennoch wird die Variante vom RKI und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weiter überwacht, da Mutationen das Virus theoretisch ansteckender oder immunflüchtiger machen können.
Was steckt hinter der „Frankenstein“-Variante?
Die sogenannte „Frankenstein“-Variante ist eng mit Stratus verwandt und trägt ihren Namen wegen einer Kombination verschiedener Mutationsmerkmale aus mehreren Omikron-Linien. Sie entstand vermutlich durch eine Rekombination verschiedener Virusvarianten. Auch sie gilt bislang als nicht gefährlicher, aber etwas ansteckender.
Ist Corona weiterhin meldepflichtig?
Ja – laborbestätigte Corona-Infektionen müssen in Deutschland weiterhin an das Gesundheitsamt gemeldet werden. Die allgemeine Testpflicht in Einrichtungen besteht jedoch nicht mehr. Viele Infektionen bleiben deshalb unentdeckt, was die Dunkelziffer steigen lässt.
Fazit
Corona ist weiterhin Teil des Alltagsgeschehens, aber keine akute Bedrohung mehr für die öffentliche Gesundheit. Die neuen Varianten wie Stratus und Frankenstein zeigen, dass sich das Virus weiterentwickelt, ohne bislang gefährlicher zu werden.
Gesundheitsexperten raten weiterhin zu Vorsicht in der Erkältungssaison – und zur jährlichen Impfung für Risikogruppen.