Die Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) sorgt weiterhin für Unmut unter Deutschlands Hausärztinnen und Hausärzten. Zwar begrüßt die Ärzteschaft das Konzept grundsätzlich, doch in der praktischen Umsetzung hakt es an vielen Stellen.
„Für die Idee gebe ich die Note ‚sehr gut‘, für die Ausführung durch die Krankenkassen, die Industrie und die Digitalagentur Gematik die Note ‚mangelhaft‘“, sagte Nicola Buhlinger-Göpfarth, die Vorsitzende des Hausärzteverbands, der Rheinischen Post.
Technische Probleme in drei Viertel der Praxen
Eine aktuelle Umfrage unter Hausarztpraxen zeichnet ein ernüchterndes Bild: Drei Viertel der befragten Praxen berichten von technischen Schwierigkeiten bei der Nutzung der elektronischen Akte. Häufige Probleme seien Systemabstürze, fehlende Verbindungen zur Telematik-Infrastruktur und unvollständige Datenübertragungen.
Zudem beklagen Ärztinnen und Ärzte, dass der Mehraufwand im Praxisalltag erheblich sei. Anstatt Prozesse zu vereinfachen, führe die ePA bislang oft zu Zeitverlusten und Frustration.
Pflicht zur Dateneintragung seit Oktober
Seit dem 1. Oktober 2025 sind Gesundheitseinrichtungen gesetzlich verpflichtet, relevante medizinische Informationen wie Befunde, Laborwerte oder Arztberichte in die elektronische Patientenakte einzustellen. Ziel ist es, Patientendaten zentral verfügbar zu machen, um eine bessere Vernetzung und Versorgung zu ermöglichen.
In der Praxis funktioniert das bislang nur eingeschränkt. Viele Praxen berichten von inkompatibler Software oder fehlerhaften Schnittstellen zwischen Praxisverwaltungssystemen und der zentralen ePA-Plattform.
Ärger über die Gematik und Krankenkassen
Verantwortlich für die technische Umsetzung der E-Patientenakte ist die Digitalagentur Gematik, die mehrheitlich dem Bundesgesundheitsministerium gehört. Kritiker werfen ihr vor, die Einführung schlecht vorbereitet und technische Standards unzureichend abgestimmt zu haben.
Auch die Krankenkassen stehen in der Kritik: Einige Ärztinnen und Ärzte monieren, dass die Informations- und Schulungsangebote für Praxisteams zu spät und zu oberflächlich gewesen seien.
„Viele Praxen fühlen sich mit der Technik allein gelassen“, so Buhlinger-Göpfarth. „Wir brauchen endlich stabile Systeme, die den Praxisbetrieb unterstützen, statt ihn zu behindern.“
Gesundheitsministerium verteidigt den Kurs
Das Bundesgesundheitsministerium betont dagegen, dass die E-Patientenakte ein zentraler Bestandteil der Digitalisierung im Gesundheitswesen sei. Schrittweise sollen in den kommenden Monaten Kinderärzte, Zahnärzte, Krankenhäuser und Apotheken noch stärker eingebunden werden.
Langfristig soll die ePA auch Patientinnen und Patienten direkten Zugriff auf ihre Gesundheitsdaten bieten – über Apps und Onlineportale. Datenschützer fordern dafür jedoch strenge Sicherheitsstandards, um Missbrauch zu verhindern.
Fazit
Die elektronische Patientenakte gilt als wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einer modernen, vernetzten Gesundheitsversorgung. Doch aktuell dominiert Frust statt Fortschritt: Während die Idee überzeugt, hapert es an der technischen Umsetzung. Für viele Ärztinnen und Ärzte bleibt die ePA damit ein guter Gedanke mit mangelhafter Praxisreife.