Ein Meer aus Transparenten, Kerzen und Fotos: In der spanischen Mittelmeerregion Valencia sind am Samstag Zehntausende Menschen auf die Straße gegangen, um an die verheerende Flutkatastrophe vom Oktober 2024 zu erinnern – und um politische Konsequenzen zu fordern.
Nach Angaben der Behörden beteiligten sich rund 50.000 Menschen an der Großdemonstration. Die Teilnehmer forderten den Rücktritt des Regionalregierungschefs Carlos Mazón, dem sie vorwerfen, nicht rechtzeitig vor den Wassermassen gewarnt zu haben.
🕯️ Erinnerung an über 220 Tote
Viele Demonstrierende trugen Fotos und Namen der mehr als 220 Todesopfer, die bei den sintflutartigen Regenfällen im vergangenen Jahr ums Leben gekommen waren. Auf Bannern standen Botschaften wie „Wir wurden im Stich gelassen“ und „Wasser kam, Warnung nicht“.
In stillen Momenten gedachten die Menschen der Opfer, während in den Straßen von Valencia Mahnwachen abgehalten und Kerzen aufgestellt wurden. Angehörige und Überlebende schilderten ihre Erlebnisse und beklagten, dass viele Familien bis heute auf Entschädigungen oder Hilfen warten.
„Wir haben nicht vergessen – und wir vergeben nicht, dass niemand rechtzeitig gewarnt wurde“, sagte eine Sprecherin der Bürgerinitiative Justicia para Valencia während der Kundgebung.
🌧️ Die Katastrophe vom Oktober 2024
Am 29. Oktober 2024 hatten sintflutartige Regenfälle innerhalb weniger Stunden ganze Landstriche Valencias in ein Katastrophengebiet verwandelt.
Flüsse traten über die Ufer, Straßen wurden weggespült, Dörfer und Stadtviertel überflutet. Besonders betroffen war das Gebiet rund um die Provinzen Alzira, Gandía und Xàtiva, wo viele Menschen von den Wassermassen überrascht wurden.
Die Behörden sprachen damals von der schlimmsten Naturkatastrophe in der Region seit Jahrzehnten. Nach offiziellen Angaben verloren mehr als 220 Menschen ihr Leben, Hunderte wurden verletzt, Tausende mussten ihre Häuser verlassen.
⚖️ Vorwürfe gegen die Regionalregierung
Die Kritik an Regionalpräsident Carlos Mazón richtet sich vor allem gegen das Krisenmanagement während der Katastrophe. Laut Demonstranten und Überlebenden seien Warnungen des Wetterdienstes zu spät weitergeleitet worden.
Auch Evakuierungen in besonders gefährdeten Gebieten seien nicht rechtzeitig eingeleitet worden.
Oppositionsparteien werfen der Regierung vor, Verantwortung zu verschleppen und bis heute keine umfassende Aufklärung eingeleitet zu haben.
Mazón selbst wies die Anschuldigungen zurück und sprach von einem „beispiellosen Wetterereignis“, das niemand habe vorhersehen können.
🌍 Solidarität aus ganz Spanien
Die Demonstration zog nicht nur Menschen aus Valencia an. Auch Überlebende anderer Flutgebiete Spaniens reisten an, um ihre Solidarität zu zeigen.
Vertreter von Umwelt- und Bürgerrechtsorganisationen forderten eine grundlegende Reform des Katastrophenschutzsystems sowie mehr Investitionen in Frühwarntechnologien.
„Diese Katastrophe war keine Naturgewalt allein – sie war das Ergebnis politischer Versäumnisse“, sagte ein Teilnehmer.
🕊️ Ein Jahr danach: Erinnerung und Forderung
Fast ein Jahr nach der Flut ist Valencia noch immer gezeichnet von den Folgen: zerstörte Infrastruktur, nicht ausgezahlte Hilfsgelder, traumatisierte Familien.
Doch die Demonstration zeigte auch den Willen der Bevölkerung, Verantwortung einzufordern – und die Hoffnung, dass aus der Tragödie endlich Konsequenzen gezogen werden.
„Wir demonstrieren für Wahrheit, Gerechtigkeit und Schutz für die Zukunft“, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der Organisatoren.
Die Wut und der Schmerz der Menschen von Valencia sind ein Jahr nach der Katastrophe nicht verraucht – sie sind lauter denn je.