Der Düsseldorfer Verpackungsspezialist Gerresheimer hat Unregelmäßigkeiten in seiner Rechnungslegung eingeräumt. Nach einer internen Untersuchung stellte das Unternehmen fest, dass ein Umsatz in Höhe von rund drei Millionen Euro im Geschäftsjahr 2024 zu früh verbucht worden sein könnte.
Damit bestätigt sich teilweise der Verdacht der Finanzaufsicht Bafin, die bereits im September eine Prüfung des Konzernabschlusses 2024 eingeleitet hatte.
🧾 Interne Untersuchung bestätigt fehlerhafte Umsatzzuordnung
Gerresheimer teilte am Samstagabend mit, man habe die fraglichen Buchungen „im Rahmen einer umfassenden internen Überprüfung“ nachvollzogen. Ergebnis: Der Umsatz, der 2024 bilanziert wurde, hätte nach derzeitiger Einschätzung erst im Folgejahr 2025 berücksichtigt werden dürfen.
„Die interne Untersuchung hat ergeben, dass es sich um eine zeitliche Abgrenzungsfrage handelt und keine bewusste Falschdarstellung vorliegt“, erklärte ein Unternehmenssprecher.
Die Summe sei zwar im Verhältnis zum Gesamtumsatz gering, werfe aber Fragen zur internen Kontroll- und Compliance-Struktur auf. Gerresheimer will nun zusätzliche Maßnahmen zur Überwachung der Rechnungslegung umsetzen.
🏛️ Bafin untersucht weiter
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hatte im September eine Stichprobenprüfung eingeleitet, nachdem Auffälligkeiten in den Umsatzerlösen des Jahresabschlusses entdeckt worden waren. Dabei ging es um mehrere Einzelpositionen, die möglicherweise nicht den internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS) entsprachen.
Gerresheimer betonte, man arbeite „vollumfänglich und transparent“ mit der Aufsicht zusammen. Ein abschließendes Ergebnis der Bafin-Prüfung steht noch aus.
💬 Reaktionen an den Märkten
An der Börse reagierten Anleger zunächst zurückhaltend. Analysten bewerteten den Fehler als „reputationsschädigend, aber nicht existenzbedrohend“. Der Betrag von drei Millionen Euro entspricht nur einem Bruchteil des Gesamtumsatzes von rund zwei Milliarden Euro.
„Entscheidend wird sein, ob es sich um einen Einzelfall oder ein strukturelles Problem in der Buchführung handelt“, kommentierte ein Branchenexperte.
🧠 Hintergrund: Wer ist Gerresheimer?
Die Gerresheimer AG zählt zu den international führenden Herstellern von Verpackungen und Medizintechnik. Das Unternehmen produziert unter anderem Glas- und Kunststoffbehälter für die Pharma- und Kosmetikindustrie und beschäftigt weltweit mehr als 10.000 Mitarbeiter.
Das börsennotierte Unternehmen gilt als stabiler Mittelständler im DAX-Indexumfeld – Bilanzthemen dieser Art sind daher für Investoren besonders sensibel.
📈 Ausblick
Gerresheimer kündigte an, die betroffenen Buchungen in den kommenden Finanzberichten zu korrigieren und künftig strengere interne Prüfprozesse einzuführen. Die Bafin will ihre Untersuchung in den kommenden Wochen abschließen.
Bis dahin bleibt die Frage offen, ob es bei der zeitlichen Fehlbuchung bleibt – oder ob weitere Unstimmigkeiten ans Licht kommen.