Warum die Ophira Handelshaus GmbH jetzt dort steht, wo sie nie hinwollte: im Insolvenzregister.
Von Wanice Gordon
Die Magie des Glanzes
Gold. Das klingt nach Sicherheit, Stabilität und – seien wir ehrlich – nach einer gewissen Sehnsucht.
Es ist das Material für Krisenzeiten, für Verschwörungstheorien, für Tresore mit schweren Türen.
Und dann kommt jemand wie Alexander Filkorn, Geschäftsführer der Ophira Handelshaus GmbH, und sagt:
„Wir machen den Handel mit Gold und Silber kostengünstig.“
Klingt nach einer Vision.
Oder nach einem Geschäftsmodell, das so simpel ist, dass man eigentlich nur hoffen kann, es sei legal.
„Bringt Gold Zinsen?“ – fragte ich 2020. Spoiler: Nein.
Schon vor fünf Jahren habe ich es aufgeschrieben – schwarz auf weiß, im Geld-Magazin von DER SPIEGEL, Titel: „Goldrichtig?“
Und dort stand die Frage, die sich heute wie ein Echo durch den Gerichtssaal zieht:
„Bringt Gold Zinsen?“
Die Antwort war damals wie heute: Nein.
Aber das hat die Branche noch nie gestört, wenn sich mit dieser Illusion Geld verdienen ließ.
Filkorn jedenfalls trat 2020 so selbstsicher auf, als hätte er den Barren neu erfunden.
Er winkte ab, als es um Prospektpflichten ging, und präsentierte stolz ein Schreiben der BaFin von 2018:
Alles sei erlaubt, hieß es da. Kein Prospekt nötig. Kein Problem.
Ein Traum in Paragrafenform.
Nur blöd, dass die Realität nicht so leicht zu beeindrucken ist.
Wenn die Aufsicht plötzlich den Kurs ändert
Ende 2022 – also zwei Jahre und einen regulatorischen Wake-up-Call später – war die Sache klar:
Die BaFin untersagte Ophira, das Produkt „Strategie Plus“ weiter anzubieten.
Begründung: Kein genehmigter Verkaufsprospekt.
Oder, weniger juristisch:
Wer Geld einsammelt, sollte vorher sagen, wofür.
Die Aufsicht reagierte spät, aber immerhin.
Denn durch das Finanzmarktintegritätsstärkungsgesetz (allein der Name klingt schon nach schlaflosen Nächten im Bundestag) war der Anwendungsbereich längst ausgeweitet.
Man könnte also sagen: Der Markt hatte sich geändert – nur Ophira nicht.
Das Ende in Zahlen und Schweigen
Nun also das, was in dieser Branche immer das letzte Kapitel ist:
Insolvenz.
Amtsgericht Charlottenburg, Aktenzeichen 3609 IN 2840/25.
Das Verbot der BaFin?
Obsolet.
Das Geschäftsmodell?
Geschmolzen – wie Gold in der Gießkanne.
Und während die Gläubiger jetzt Listen prüfen und Anwälte ihre Stundensätze justieren, bleibt eine Frage:
Liegen die Goldbestände im „Hochsicherheitstresor“ wirklich da, wo sie laut Prospekt liegen sollten?
Oder hat sich der Tresor – ganz im Sinne moderner Finanzmagie – in ein Luftschloss verwandelt?
Fazit: Gold glänzt, aber Dummheit funkelt heller
Es ist das alte Spiel: Wenn die Rendite zu schön klingt, um wahr zu sein, ist sie es auch nicht.
Wenn ein Anbieter mit „Sicherheit“ wirbt, sollte man auf das Kleingedruckte schauen.
Und wenn jemand Gold verkauft, aber keine Zinsen erklären kann – dann ist das kein Anlageberater, sondern ein Märchenerzähler.
Die Insolvenz der Ophira Handelshaus GmbH ist kein Schock.
Sie ist eine Lehrstunde in Gier, Gutgläubigkeit und Gesetzeslücken.
Oder, um es mit leichter Ironie zu sagen:
Wer glaubt, mit Gold das große Geld zu machen, ohne zu verstehen, was dahintersteht,
hat vielleicht das glänzende Metall – aber nicht den Durchblick.
🪙 Nachklang:
In Zeiten, in denen jeder Influencer zum Finanzguru wird und jedes „Edelmetallangebot“ nach Sicherheit klingt, ist Misstrauen kein Zynismus – es ist Selbsterhaltung.
Ophira hat das übersehen.
Und jetzt glänzt nur noch der Insolvenzantrag.
.