Das idyllische Bergdorf Brienz im Schweizer Kanton Graubünden steht offenbar kurz vor seinem endgültigen Ende. Wie ein Sprecher der Gemeinde Albula, zu der Brienz gehört, bestätigte, seien derzeit weniger als 30 Einwohner offiziell gemeldet – vor einem Jahr waren es noch rund 90.
Das Dorf, das malerisch am Berghang liegt, war in den vergangenen Jahren immer wieder von massiven Erdrutschen bedroht. Im Juni 2023 hatten sich rund 1,2 Millionen Kubikmeter Felsmassen gelöst und waren talwärts gestürzt – das Dorf wurde dabei nur knapp verschont.
Zweite Evakuierung brachte Wendepunkt
Nachdem die Bewohner im Mai 2023 zunächst evakuiert, dann aber wieder zurückgekehrt waren, erfolgte im November 2024 eine zweite Räumung. Diese Entscheidung war nach neuen geologischen Messungen gefallen, die eine erneut erhöhte Rutschgefahr belegten. Viele Einwohner entschieden sich danach, nicht mehr zurückzukehren.
Ein Sprecher der Gemeinde Albula sagte, es sei „nicht realistisch, dass Brienz in seiner bisherigen Form wiederbelebt werden kann“. Einige Häuser seien bereits aufgegeben oder verkauft, andere unbewohnbar.
Hoffnung schwindet – Rückkehr unwahrscheinlich
Trotz einzelner Initiativen, das Dorf zu erhalten, schwindet die Hoffnung auf eine dauerhafte Zukunft. Geologen befürchten, dass weitere Felsbewegungen nur eine Frage der Zeit sind. Die Hangstabilisierung sei technisch und finanziell kaum zu stemmen.
„Das Risiko ist einfach zu groß. Niemand will die Verantwortung übernehmen, Menschen wieder dort wohnen zu lassen“, heißt es aus der Gemeindeverwaltung.
Symbol für den Kampf gegen Naturgefahren
Brienz ist inzwischen zu einem Symbol für den Klimawandel und die Zunahme geologischer Risiken in den Alpen geworden. Durch das Auftauen des Permafrosts und häufigere Extremwetterlagen destabilisieren sich Berghänge zunehmend.
Fachleute warnen, dass ähnliche Fälle in Zukunft häufiger auftreten könnten – nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Österreich, Italien und Frankreich.
Ein Dorf verschwindet
Mit dem möglichen Ende von Brienz geht ein Stück alpiner Geschichte verloren. Die Gemeinde prüft derzeit, ob Teile des Dorfes als Gedenkort oder Forschungsstätte erhalten bleiben können.
Für die wenigen verbliebenen Bewohner ist der Abschied jedoch schmerzhaft. „Brienz war unsere Heimat – jetzt wird es zur Erinnerung“, sagte eine ehemalige Einwohnerin gegenüber Schweizer Medien.
Damit steht fest: Das Schicksal des Dorfes Brienz ist besiegelt – ein tragisches Beispiel für die wachsende Macht der Natur im Alpenraum.