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50 Jahre Frauenstreik auf Island: Der Tag, an dem ein ganzes Land stillstand

jorono (CC0), Pixabay

Heute jährt sich ein Ereignis, das nicht nur Islands Geschichte, sondern die weltweite Gleichstellungsbewegung geprägt hat: der Frauenstreik vom 24. Oktober 1975 – ein Tag, an dem das öffentliche Leben auf der Insel nahezu zum Erliegen kam. Vor genau 50 Jahren legten 90 Prozent aller isländischen Frauen ihre Arbeit nieder, um gegen Ungleichheit, Diskriminierung und ungleiche Bezahlung zu protestieren.

Es war ein beispielloser Akt der Solidarität, der die Gesellschaft veränderte und Island später zu einem Vorreiter für Frauenrechte machte.

Ein Land steht still – Arbeit, Schule und Familienleben lahmgelegt

Am Morgen des 24. Oktober 1975 blieben Büros, Schulen und Geschäfte geschlossen. Lehrerinnen, Verkäuferinnen, Sekretärinnen, Fabrikarbeiterinnen und Mütter – sie alle legten ihre Arbeit nieder. Auch zu Hause wurde an diesem Tag nicht gekocht, nicht gewaschen, keine Kinderbetreuung geleistet.

Rund 25.000 Frauen versammelten sich in der Hauptstadt Reykjavík zu einer Kundgebung auf dem Austurvöllur-Platz vor dem Parlament. Für ein Land mit damals nur etwa 220.000 Einwohnern war das eine gewaltige Zahl.

Die Botschaft war klar: Ohne die Arbeit der Frauen funktioniert kein Staat, keine Wirtschaft, kein Alltag.

Aus Protest wird Bewegung

Der „Kvennafrídagurinn“ – der „Tag der Freiheit der Frauen“ – markierte den Wendepunkt in Islands Gleichstellungspolitik. Der Streik war friedlich, aber kraftvoll. Männer mussten an diesem Tag notgedrungen Aufgaben übernehmen, die sonst selbstverständlich von Frauen getragen wurden – von der Kinderbetreuung bis zum Kochen.

Das Ereignis veränderte das gesellschaftliche Bewusstsein tiefgreifend. Nur fünf Jahre später wurde Vigdís Finnbogadóttir zur ersten demokratisch gewählten Präsidentin Europas – und zur ersten Frau weltweit, die in einem freien Land ein solches Amt bekleidete.

Von damals bis heute: Gleichstellung als nationales Ziel

Seit dem legendären Streik hat Island immer wieder Zeichen gesetzt:

  • 1976 wurde ein erstes Gesetz zur Gleichstellung von Männern und Frauen verabschiedet.

  • 2000 führte das Land einen bezahlten Elternurlaub für beide Elternteile ein – mit dem Ziel, die Verantwortung für Kinder gleichmäßiger zu verteilen.

  • 2018 trat ein Gesetz in Kraft, das Unternehmen verpflichtet, gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit nachzuweisen – als erstes Land der Welt.

Heute gilt Island laut Weltwirtschaftsforum erneut als das Land mit der geringsten geschlechtsspezifischen Ungleichheit weltweit.

2023: Frauen wieder auf der Straße

Auch im Jahr 2023 – fast ein halbes Jahrhundert nach dem historischen Streik – gingen isländische Frauen erneut auf die Straße. Anlass war der Protest gegen anhaltende Lohnunterschiede und Gewalt gegen Frauen. Ministerpräsidentin Katrín Jakobsdóttir schloss sich den Streikenden an – ein symbolischer Akt, der zeigte, dass Gleichstellung zwar weit fortgeschritten, aber noch nicht abgeschlossen ist.

Jakobsdóttir sagte damals:

„Wir streiken nicht, weil wir versagt haben. Wir streiken, weil wir mehr erreicht haben – und weil wir noch nicht am Ziel sind.“

Ein historisches Vermächtnis

Der Frauenstreik von 1975 bleibt ein Meilenstein in der Geschichte der Gleichberechtigung – ein Tag, der zeigte, wie mächtig Solidarität sein kann, wenn sie von der Mehrheit getragen wird.

Für viele Isländerinnen und Isländer ist der 24. Oktober seither nicht nur ein Gedenktag, sondern ein Tag der Erinnerung und Ermutigung.

Vor 50 Jahren stand Island still – und genau dadurch kam die Gleichstellung in Bewegung.

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