Der Influencerinnen-Trend um sogenannte „Tradwives“ – Frauen, die sich bewusst einem traditionellen Rollenbild als Hausfrau und Ehefrau unterordnen – sorgt auf Social Media für Aufmerksamkeit. Doch eine aktuelle Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) zeigt: In der Realität spielt dieses Lebensmodell für junge Frauen in Deutschland kaum eine Rolle.
Mehrheit lehnt traditionelle Rollenverteilung ab
Die Untersuchung, die am Mittwoch vorgestellt wurde, kommt zu einem klaren Ergebnis: Die große Mehrheit junger Frauen hält eine traditionelle Arbeitsteilung in der Familie nicht für die beste Lösung. Nur eine kleine Minderheit kann sich vorstellen, dauerhaft Hausarbeit und Kindererziehung zu übernehmen, während der Partner allein das Einkommen verdient.
„Die Realität der Lebensentwürfe in Deutschland ist weit vielfältiger, moderner und gleichberechtigter, als es der Online-Diskurs vermuten lässt“, heißt es in der Studie.
Social-Media-Hype ohne gesellschaftliche Basis
In sozialen Netzwerken wie TikTok, Instagram oder YouTube haben „Tradwives“ in den letzten Jahren teils große Reichweiten erzielt. Sie inszenieren sich mit gebügelten Schürzen, traditionellen Familienwerten und der Rückkehr zu „weiblicher Sanftheit“.
Doch laut den Forschenden spiegelt dieser Trend keine tatsächliche gesellschaftliche Bewegung, sondern vor allem ein Medienphänomen wider.
„Was wir sehen, ist ein ästhetischer und ideologischer Hype – kein massenhafter Lebensentwurf“, erklärt eine der Autorinnen der Studie.
Junge Frauen setzen auf Gleichberechtigung
Die meisten jungen Frauen in Deutschland wünschen sich laut der Befragung Partnerschaften auf Augenhöhe – sowohl bei der Erwerbsarbeit als auch bei der Kindererziehung. Berufliche Selbstverwirklichung, finanzielle Unabhängigkeit und flexible Rollenmodelle seien für sie zentral.
Auch gesellschaftlich wird Gleichberechtigung als Standard angesehen: Der Wunsch, sich auf die Hausfrauenrolle zu beschränken, gilt zunehmend als überholt oder realitätsfern.
Zwischen Nostalgie und Selbstinszenierung
Sozialwissenschaftlerinnen betonen, dass der „Tradwife“-Trend weniger Ausdruck eines echten Wertewandels sei, sondern eher eine reaktionäre Gegenbewegung zu feministischen Fortschritten. In vielen Fällen inszenierten sich die Influencerinnen selbst als ästhetische Gegenpole zur modernen, unabhängigen Frau – und bedienen damit eine nostalgische Sehnsucht nach vermeintlicher Einfachheit.
Fazit: Das Ideal hat keine Basis im Alltag
Trotz viraler Videos und Lifestyle-Accounts zeigt die Studie klar: Die „Tradwife“-Bewegung bleibt eine Online-Fata Morgana. Die Lebensrealität junger Frauen in Deutschland ist emanzipierter, vielfältiger und pragmatischer, als Social Media suggeriert.
Mit anderen Worten: Zwischen Hashtag-Romantik und Haushaltsrealität klafft ein weiter Graben – und die meisten Frauen wissen sehr genau, auf welcher Seite sie stehen wollen.