Nach einer langen Übergangsphase zieht sich Herbert Diess, der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Volkswagen-Konzerns, nun vollständig aus dem Unternehmen zurück. Wie VW bestätigte, endet sein Vertrag am 24. Oktober, dem 67. Geburtstag des Managers. Ab dem 25. Oktober 2025 bezieht Diess Ruhestandsbezüge – und schließt damit endgültig das Kapitel seiner Zeit bei Volkswagen.
Ende einer ungewöhnlich langen Nachwirkungszeit
Diess hatte den Posten des VW-Konzernchefs 2022 räumen müssen. Sein Nachfolger wurde Oliver Blume, der zugleich Vorstandsvorsitzender von Porsche ist. Trotz seines Ausscheidens blieb Diess jedoch weiter vertraglich gebunden – und erhielt ein Vorstandsgehalt in Millionenhöhe, ohne operative Verantwortung im Unternehmen. Damit war er zuletzt der bestbezahlte Manager des Konzerns, obwohl er seit Jahren nicht mehr aktiv in die Unternehmensführung eingebunden war.
Der Schritt in den Ruhestand beendet nun eine Phase, die selbst in der Top-Management-Welt als außergewöhnlich gilt.
Umstrittener Modernisierer mit klarem Kurs
Herbert Diess galt während seiner Amtszeit als streitbarer, aber visionärer Manager. Er trieb den Umbau von VW zur Elektromarke mit Nachdruck voran, stieß intern jedoch immer wieder auf Widerstände – sowohl im Betriebsrat als auch im Aufsichtsrat.
Sein Fokus auf den Wandel in Richtung E-Mobilität und Softwarekompetenz machte ihn zu einer der prägendsten, aber auch umstrittensten Figuren der deutschen Autoindustrie. Kritiker warfen ihm einen zu konfrontativen Führungsstil vor, Befürworter lobten ihn als denjenigen, der Volkswagen überhaupt erst auf einen klaren Zukunftspfad gebracht habe.
Millionenbezüge bis zum letzten Tag
Nach Informationen aus Konzernkreisen erhielt Diess bis zuletzt Bezüge in Millionenhöhe – ein Ergebnis seines noch laufenden Vertrages, der ursprünglich eine langfristige Bindung bis Ende 2025 vorsah. In dieser Zeit hatte der Konzern keine operative Tätigkeit mehr für ihn, verpflichtete sich aber zur fortlaufenden Gehaltszahlung.
Mit dem offiziellen Ruhestand am 25. Oktober endet nun auch diese Vereinbarung. Angaben zur Höhe seiner künftigen Pensionszahlungen machte Volkswagen nicht, Branchenkenner gehen jedoch von mehreren hunderttausend Euro jährlich aus.
Bilanz eines polarisierenden Managers
Herbert Diess’ Amtszeit bei Volkswagen war geprägt von radikalen Reformen, internen Konflikten und ambitionierten Zukunftsplänen. Unter seiner Führung startete VW das Großprojekt „Trinity“, das den Konzern mit einem neuen E-Modell und modernster Softwaretechnologie neu positionieren sollte. Auch wenn das Projekt inzwischen unter veränderten Vorzeichen weitergeführt wird, gilt es als Vermächtnis seiner Amtszeit.
In Erinnerung bleibt Diess als Visionär mit Ecken und Kanten, der den Wandel zur Elektromobilität frühzeitig erkannte – und dafür einen hohen Preis bezahlte: seinen Posten.
Ruhestand mit Nachklang
Obwohl er nun offiziell in den Ruhestand geht, bleibt Diess als Berater und Investor in der Technologie- und Automobilbranche aktiv. In den letzten Jahren beteiligte er sich an mehreren Start-ups im Bereich Software, Batterietechnik und E-Mobilität.
Mit seinem endgültigen Ausscheiden endet bei Volkswagen nicht nur ein Vertrag, sondern ein Kapitel, das den Konzern über Jahre geprägt hat – mit all seinen Erfolgen, Spannungen und Visionen.