Die Pleite des Immobilien- und Handelsimperiums Signa entwickelt sich zu einer der größten Wirtschaftskatastrophen Europas. Nach neuen Zahlen der Gläubigerschützerorganisation Creditreform belaufen sich die bislang angemeldeten Forderungen der Signa-Gläubiger europaweit auf über 40 Milliarden Euro – ein Rekordwert in der österreichischen Wirtschaftsgeschichte.
37 Milliarden Euro Forderungen allein in Österreich
Allein in Österreich wurden laut Creditreform 37 Milliarden Euro an Forderungen eingereicht. Davon sind derzeit 11,8 Milliarden Euro gerichtlich anerkannt. Mehr als 3.000 Gläubiger, darunter Banken, Bauunternehmen, Investoren und Privatpersonen, versuchen, ihr Geld aus dem komplexen Firmengeflecht von Signa-Gründer Rene Benko zurückzuerhalten.
„Das Ausmaß der Forderungen ist historisch – eine derart vernetzte Insolvenz hat es in dieser Form in Europa noch nicht gegeben“, erklärte Gerhard Weinhofer, Geschäftsführer von Creditreform.
Über 130 Insolvenzen allein in Österreich
Das Ausmaß des Zusammenbruchs ist enorm: Laut Weinhofer kam es bislang zu 138 Insolvenzen in Österreich, 177 in Deutschland, 70 in Luxemburg, sieben in der Schweiz sowie einigen weiteren Verfahren in Italien und Liechtenstein. Insgesamt betrifft der Fall Hunderte Gesellschaften, Tochterfirmen und Immobilienprojekte – von Luxusimmobilien in Wien und München bis zu Beteiligungen an bekannten Kaufhäusern.
Der Signa-Konzern hatte sich über Jahre ein weit verzweigtes Firmengeflecht aufgebaut, das Immobilienentwicklung, Einzelhandel und Finanzbeteiligungen miteinander verband. Dieses System brach Ende 2023 unter der Last von Krediten, sinkenden Immobilienwerten und Zinssteigerungen zusammen.
Gläubiger hoffen auf Bruchteil der Gelder
Die Verwertung der verbliebenen Vermögenswerte und Immobilien laufe laut Weinhofer „gut an“, es gebe eine hohe Nachfrage von Investoren. Dennoch müssen sich die Gläubiger auf bittere Verluste einstellen. „Es ist klar, dass sie nur einen Bruchteil ihrer Forderungen wiedersehen werden“, so der Creditreform-Chef.
Wie hoch die tatsächliche Insolvenzquote am Ende ausfallen wird, sei derzeit nicht absehbar – viele Bewertungen und rechtliche Prüfungen laufen noch.
Zehn Jahre Aufarbeitung erwartet
Die vollständige Aufarbeitung der Signa-Insolvenzen wird laut Weinhofer „mindestens zehn Jahre“ dauern. Hintergrund ist die enorme Komplexität des Konzerns, der aus Dutzenden Holdingstrukturen und Zwischenfirmen bestand, die teils in verschiedenen europäischen Ländern registriert waren.
Europas größter Wirtschaftsskandal der letzten Jahre
Der Zusammenbruch der Signa-Gruppe hat nicht nur finanzielle, sondern auch politische Dimensionen. Das Imperium des Tiroler Unternehmers Rene Benko, einst Symbol für den neuen Glanz des europäischen Immobilienmarkts, steht heute für Intransparenz, riskante Verschuldung und das Ende einer Ära des billigen Geldes.
Besonders brisant: Viele der größten Projekte – darunter das Kaufhaus Tyrol in Innsbruck, die Galeria-Karstadt-Kaufhof-Beteiligungen in Deutschland oder Luxusimmobilien in Wien und Zürich – sind direkt von den Insolvenzen betroffen.
Fazit
Die Signa-Pleite wird Europa noch lange beschäftigen. Mit über 40 Milliarden Euro an Forderungen und mehr als 400 betroffenen Gesellschaften markiert sie einen Wendepunkt im europäischen Immobilien- und Finanzsektor.
Was als Prestigeprojekt begann, endete in einem Wirtschaftskrimi von beispiellosem Ausmaß – und die Aufarbeitung dürfte noch ein Jahrzehnt dauern.