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Chipkrise 2.0 – Ministerpräsident Lies warnt vor neuem Produktionsstau in der Autoindustrie

atimedia (CC0), Pixabay

Die Sorgen in der deutschen Autoindustrie wachsen: Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) hat sich angesichts drohender Halbleiter-Engpässe alarmiert gezeigt. In einem Interview mit dem Handelsblatt warnte er, die Branche könne erneut zwischen die Fronten des Handelskonflikts zwischen China und den USA geraten.

„Die europäischen Autobauer und Zulieferer sitzen in der Zwickmühle – sie zahlen den Preis für geopolitische Machtspiele“, so Lies. Der Ministerpräsident verwies darauf, dass die Lieferketten empfindlich gestört seien und Deutschland als Produktionsstandort erneut unter Druck gerate.

Volkswagen prüft Produktionskürzungen

Konkret betroffen ist auch Volkswagen. Der Konzern, an dem das Land Niedersachsen beteiligt ist, schließt kurzfristige Einschränkungen in der Produktion nicht aus. Hintergrund ist ein Lieferproblem beim niederländischen Chiphersteller Nexperia.

Die niederländische Regierung hatte kürzlich die Kontrolle über Nexperia übernommen – ein Schritt, der nach Einschätzung von Branchenexperten die Lieferprozesse ins Wanken gebracht hat. Nexperia war zuvor im Besitz einer chinesischen Konzernmutter, was im Zuge des zunehmenden Technologiekonflikts zwischen Peking und Washington zu politischen Spannungen geführt hatte.

Europa gerät zwischen die Supermächte

Für Lies ist der Fall symptomatisch: Europa werde zum Kollateralschaden des globalen Chipstreits. „Wenn die USA und China ihre Machtkämpfe auf dem Rücken unserer Industrie austragen, müssen wir endlich strategisch reagieren“, mahnte er.

Er forderte die Bundesregierung und die EU auf, die europäische Halbleiterproduktion deutlich zu stärken – auch um in Krisenzeiten unabhängig zu bleiben. „Wir brauchen eigene Kapazitäten und Partnerschaften innerhalb Europas, sonst droht uns bei jedem Konflikt ein neuer Produktionsstillstand.“

Chipmangel – ein alter Bekannter der Autobranche

Die Erinnerung an die Chipkrise der Jahre 2021 und 2022 sitzt in der Branche noch tief. Damals standen die Bänder bei mehreren Herstellern zeitweise still, Neuwagen mussten monatelang auf elektronische Steuergeräte warten.

Nun droht eine Neuauflage des Problems – ausgelöst durch geopolitische Machtspiele statt Pandemieeffekte. Experten warnen: Sollten sich die Lieferverzögerungen bei Nexperia ausweiten, könnten binnen Wochen mehrere europäische Werke betroffen sein.

Lies mahnt „europäische Industriesouveränität“ an

Der SPD-Politiker sieht in der aktuellen Entwicklung ein deutliches Warnsignal:
„Wir müssen uns aus der Abhängigkeit befreien – nicht nur bei Energie, sondern auch bei Hightech-Komponenten wie Chips.“

Ob die Warnung aus Hannover in Brüssel und Berlin Gehör findet, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch: Wenn Europa nicht bald eigene Antworten liefert, droht der Motor der deutschen Wirtschaft schon bald wieder zu stottern – nicht wegen Diesel, sondern wegen fehlender Mikrochips.

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