Das US-Militär hat erneut zugeschlagen – und diesmal vor der Pazifikküste Kolumbiens. Ein Boot, das nach Angaben des Pentagon im Zusammenhang mit Drogenschmuggel stand, wurde mit Raketen zerstört. Drei Menschen kamen dabei ums Leben. Es ist der erste derartige Angriff im Pazifik, nachdem die USA zuvor bereits mehrere mutmaßliche Schmugglerboote in der Karibik ins Visier genommen hatten.
Pentagon spricht von Anti-Drogen-Einsatz – Kolumbiens Präsident von Mord
Während das Pentagon den Angriff als Teil seines anhaltenden Kampfes gegen den internationalen Kokainhandel bezeichnete, reagierte Kolumbiens Präsident Gustavo Petro empört.
Er warf den Vereinigten Staaten vor, „außergerichtliche Hinrichtungen“ zu begehen:
„Wer den Drogenhandel bekämpfen will, muss Schiffe kontrollieren – nicht Menschen in Stücke schießen“,
sagte Petro scharf in Bogotá.
Er kritisierte, dass die USA mit dieser Taktik die Souveränität Kolumbiens verletzen und „Kriegsmethoden gegen Zivilisten“ anwenden.
Washington verteidigt Einsatz als „notwendig“
Aus Washington heißt es, das beschossene Boot sei „bewaffnet gewesen und habe Warnungen ignoriert“. Eine unmittelbare Bedrohung für US-Kräfte habe bestanden.
Ein Sprecher des Pentagon erklärte, die Operation sei im Rahmen internationaler Vereinbarungen zur Bekämpfung des Drogenhandels erfolgt – ein Hinweis darauf, dass die USA sich juristisch auf der sicheren Seite sehen.
Doch die Kritik wächst: Menschenrechtsorganisationen fordern Aufklärung, da es bislang keine unabhängigen Beweise für die behauptete Bewaffnung oder die genaue Identität der Getöteten gibt.
Ein Muster mit Eskalationspotenzial
In den vergangenen Monaten hatten US-Streitkräfte wiederholt schnelle Schmugglerboote („Go-Fast-Boats“) in der Karibik unter Beschuss genommen – meist mit tödlichem Ausgang.
Diese Einsätze erfolgen offiziell im Rahmen der US-amerikanischen Anti-Drogen-Strategie, die darauf abzielt, Kokaintransporte bereits auf See zu stoppen.
Kritiker warnen jedoch vor einer „Militarisierung der Drogenbekämpfung“, die zivile Opfer in Kauf nehme und internationale Spannungen verschärfe.
Petro: „Raketen lösen kein Drogenproblem“
Präsident Petro, der seit seinem Amtsantritt für eine neue Drogenpolitik wirbt, hält die US-Taktik für kontraproduktiv.
Er argumentiert, dass militärische Gewalt den Schmuggel nur verlagere, nicht verhindere. Statt Raketen brauche es „Reformen in der Agrarpolitik, Bildung und wirtschaftliche Alternativen für Kokabauern“.
Mit Blick auf die jüngste Attacke sagte Petro:
„Jede Rakete tötet Menschen – aber keine einzige stoppt den Kokainfluss in Richtung Miami.“
Zwischen Sicherheit und Souveränität
Während das Pentagon die Operation als Erfolg verbucht, steht Kolumbien vor einem diplomatischen Dilemma: Das Land ist einer der wichtigsten Partner Washingtons im Anti-Drogen-Kampf, doch Präsident Petro sucht zunehmend eigene Wege.
Die Frage bleibt: Wie weit darf der Kampf gegen Drogen gehen – bevor er selbst zum Problem wird?
Denn die Raketen treffen vielleicht Boote, aber längst auch die politische Beziehung zwischen Bogotá und Washington.