Im Landkreis Bautzen sorgt ein grausamer Fund für Entsetzen: Innerhalb weniger Tage sind zwei tote Wölfe entdeckt worden – beide offenbar gezielt erschossen. Wie die Polizei am Mittwoch mitteilte, wurde das erste Tier am Montag bei Wiednitz, das zweite am Dienstagabend bei Leippe gefunden. In beiden Fällen bestätigten Tierärzte deutliche Schussverletzungen.
Die Kriminalpolizei hat Ermittlungen wegen eines Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetz aufgenommen. Der oder die Täter sind bislang unbekannt.
Gezielte Tötung streng geschützter Tiere
In Deutschland gelten Wölfe nach dem Bundesnaturschutzgesetz (§ 44 BNatSchG) als streng geschützte Art. Das bedeutet: Sie dürfen nicht gejagt, verletzt oder getötet werden – außer es liegt eine behördliche Ausnahmegenehmigung vor, etwa wenn nachweislich wiederholt Nutztiere gerissen werden und keine andere Schutzmaßnahme greift.
Im Fall der beiden Wölfe im Landkreis Bautzen liegt eine solche Ausnahme nicht vor. Nach Angaben der Polizeidirektion Görlitz deuten alle Spuren darauf hin, dass es sich um illegale Abschüsse handelt. Die Schüsse seien mit hoher Wahrscheinlichkeit aus geringer Distanz abgefeuert worden.
Ermittler hoffen auf Zeugenaussagen
Die Ermittlungen gestalten sich schwierig: Tatzeit und -ort sind nur grob einzugrenzen, da die Kadaver erst Stunden nach den Taten entdeckt wurden. Die Polizei setzt nun auf Hinweise aus der Bevölkerung.
„Wir bitten alle, die zwischen Wiednitz und Leippe in den vergangenen Tagen verdächtige Personen, Fahrzeuge oder Schüsse bemerkt haben, sich dringend zu melden“, erklärte ein Polizeisprecher. Auch Jäger und Anwohner wurden gebeten, ihre Beobachtungen mitzuteilen.
Die getöteten Tiere wurden zur Untersuchung in ein veterinärmedizinisches Institut gebracht, um weitere Details zu Todesursache, Kaliber und Zeitpunkt der Schüsse zu klären.
Naturschützer sprechen von gezielter Provokation
Tierschutzorganisationen reagierten entsetzt. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) sprach von einem „klaren Fall von Wilderei“ und einem „Angriff auf den Artenschutz in Deutschland“.
„Solche Taten sind keine Einzelfälle, sondern Ausdruck einer wachsenden Aggression gegenüber dem Wolf“, erklärte ein Sprecher des NABU Sachsen.
In den vergangenen Jahren wurden bundesweit mehrere Dutzend tote Wölfe gefunden – ein Teil davon mit Schussverletzungen oder Vergiftungsanzeichen. Viele dieser Fälle bleiben bis heute ungeklärt.
Wölfe im Spannungsfeld zwischen Schutz und Ablehnung
Sachsen ist seit Jahren ein Brennpunkt der Wolfspolitik. Rund 40 Rudel leben aktuell im Bundesland – vor allem in der Oberlausitz, aber auch im Raum Bautzen. Während Umweltschützer die Rückkehr der Tiere als Erfolg der europäischen Naturschutzpolitik feiern, sehen Landwirte und Jäger den Wolf zunehmend als Problem.
Immer wieder fordern Bauernverbände Abschussgenehmigungen und flexiblere Regelungen, da Weidetiere trotz Schutzmaßnahmen gerissen werden. Kritiker werfen der Politik vor, den Konflikt zwischen Naturschutz und Landwirtschaft nicht ausreichend zu lösen.
Politische Reaktionen gefordert
Nach dem Fund der beiden erschossenen Wölfe mehren sich nun Forderungen nach einer konsequenten Aufklärung. Auch Vertreter des Umweltministeriums in Dresden äußerten sich betroffen. Eine Sprecherin erklärte:
„Wir erwarten eine gründliche Untersuchung und hoffen, dass die Täter gefasst werden. Der Abschuss geschützter Tiere ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine schwere Straftat, die das Vertrauen in den Naturschutz untergräbt.“
Für den oder die Schützen könnte es ernst werden: Wer einen Wolf tötet, riskiert Geldstrafen oder Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren.
Ein Symbolfall für den Zustand des Artenschutzes
Der Fall von Bautzen steht exemplarisch für die wachsende Spannung zwischen Mensch und Wildtier in Deutschland. Während Wölfe einst ausgerottet waren, kehren sie seit den 2000er Jahren langsam zurück – ein Erfolg des europäischen Artenschutzes, der jedoch vielerorts auf Widerstand stößt.
Ob der Täter aus Wut, Angst oder gezieltem Hass handelte, ist derzeit unklar. Sicher ist nur: Der Tod der beiden Tiere rückt den Umgang mit dem Wolf in Deutschland erneut in den Fokus – und wirft die Frage auf, wie sicher der Schutz streng geschützter Arten tatsächlich ist.