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Die stille Sucht im Altersheim – Warum immer mehr Senioren von Schmerzmitteln abhängig werden

pasja1000 (CC0), Pixabay

Lange galten Opioidabhängigkeit und Missbrauch als Problem jüngerer Menschen – doch aktuelle Erkenntnisse zeigen: Immer mehr ältere Patientinnen und Patienten sind betroffen. Ärzte warnen, dass chronische Schmerzen, lange Therapiedauern und mangelnde Kontrolle den Weg in die Abhängigkeit ebnen können.

Schmerzmittel mit Risiko

Opioide wie Tilidin, Tramadol oder Morphin werden häufig bei starken oder chronischen Schmerzen verschrieben – etwa nach Operationen, bei Arthrose oder Krebs. Doch was als medizinische Hilfe beginnt, kann in eine unbemerkte Abhängigkeit führen.

„Viele ältere Menschen merken gar nicht, dass sie schon süchtig sind“, sagt die Schmerztherapeutin Dr. Heike Lammers. „Die Dosis wird langsam erhöht, der Körper gewöhnt sich daran – und irgendwann geht es ohne nicht mehr.“

Rezeptpflicht schützt nicht vor Missbrauch

Besonders gefährlich: Bei Seniorinnen und Senioren werden Opioide oft über Jahre verschrieben, ohne dass regelmäßig geprüft wird, ob sie noch nötig sind. Hinzu kommt, dass mehrere Ärzte beteiligt sein können – Hausarzt, Orthopäde, Schmerztherapeut –, was die Kontrolle erschwert.

„Das Rezept gibt es oft automatisch zur Verlängerung, ohne dass jemand nachfragt, ob der Patient die Tabletten überhaupt noch braucht“, so Lammers.

Warnung vor unbemerkter Abhängigkeit

Laut einer Studie der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin nehmen rund 15 Prozent der über 65-Jährigen regelmäßig Opioide ein. Etwa jede zehnte Person zeigt bereits Anzeichen einer Abhängigkeit – von Entzugserscheinungen bis zu Toleranzentwicklung.

Besonders gefährlich wird es, wenn ältere Patienten zusätzlich Beruhigungs- oder Schlafmittel nehmen. Die Kombination kann Atemdepressionen, Schwindel und Stürze auslösen – und im schlimmsten Fall tödlich enden.

Was hilft gegen die stille Sucht?

Fachärzte fordern, den Medikamentenkonsum bei Älteren stärker zu überwachen. Dazu gehören:

  • Regelmäßige Überprüfung der Dosis und Notwendigkeit,

  • klare Aufklärung über Risiken und Alternativen,

  • und bessere Schulung von Ärzten und Pflegepersonal.

Alternative Therapien – etwa Physiotherapie, Akupunktur oder psychologische Schmerzbewältigung – werden bislang zu selten eingesetzt, weil sie aufwendiger und weniger rentabel sind.

Fazit

Opioide können segensreich wirken – aber auch gefährlich abhängig machen. Besonders ältere Menschen geraten oft unbemerkt in die Suchtfalle. Experten fordern daher mehr Aufmerksamkeit, weniger Routine-Rezepte und einen bewussteren Umgang mit Schmerzmitteln.

Oder, wie Dr. Lammers es formuliert:

„Nicht jedes Zipperlein braucht gleich Morphin. Manchmal hilft auch Bewegung – und ein ehrliches Gespräch mit dem Arzt.“

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