Auf den Balearen spitzt sich die Lage dramatisch zu: Erneut haben sintflutartige Regenfälle Ibiza und Formentera heimgesucht, nur zwei Wochen nach dem letzten schweren Unwetter. Das erneute Extremwetter hat erneut Straßen, Flughäfen und Stromleitungen lahmgelegt – und viele Inselbewohner und Urlauber in Angst und Unsicherheit versetzt.
Inseln versinken im Regenwasser
Auf Ibiza wurde die Situation besonders kritisch. Innerhalb weniger Stunden fielen riesige Regenmengen, die die Kanalisation überforderten. Die Hauptzufahrtsstraße zum internationalen Flughafen stand teilweise knietief unter Wasser und musste aus Sicherheitsgründen gesperrt werden. Augenzeugen berichten von Fahrzeugen, die in überfluteten Unterführungen zurückgelassen werden mussten.
Noch dramatischer: Videoaufnahmen aus dem Terminalbereich zeigen, wie das Regenwasser durch Türen und Decken eindringt – Reisende stehen in Pfützen, während Notfallkräfte versuchen, die Lage unter Kontrolle zu bringen. Der Flughafenbetreiber AENA bestätigte mehrere Flugausfälle, da Start- und Landebahnen zunächst vom Wasser befreit werden mussten. Auch die Gepäckabfertigung kam zwischenzeitlich zum Stillstand.
Öffentliche Infrastruktur kollabiert
Der öffentliche Nahverkehr auf Ibiza wurde nahezu vollständig eingestellt. Busverbindungen wurden gestrichen, zahlreiche Straßenabschnitte unpassierbar. Besonders betroffen waren die Gegenden rund um Sant Josep, Sant Antoni und die Stadt Ibiza, wo mehrere Häuser durch eindringendes Wasser beschädigt wurden.
Auch Formentera wurde von der Unwetterfront hart getroffen. Ein Blitzeinschlag legte dort mehrere Trafostationen lahm, was zu flächendeckenden Stromausfällen führte. In Hunderten Haushalten fiel der Strom für Stunden aus, teilweise auch die Wasserversorgung.
Auch Mallorca und Menorca betroffen
Obwohl die Hauptlast des Sturms auf Ibiza und Formentera niederging, meldete die Regionalregierung der Balearen, dass auch Mallorca und Menorca vom Unwetter betroffen waren. Starke Windböen, lokale Überflutungen und Stromausfälle wurden auch aus Palma, Inca und Maó gemeldet.
Ursache: Mittelmeertief mit extremem Potenzial
Meteorologen machen ein stationäres Tiefdruckgebiet über dem westlichen Mittelmeer für die außergewöhnlich heftigen Regenfälle verantwortlich. Die Kombination aus warmem Meerwasser und kühlerer Höhenluft begünstigt sogenannte „DANA“-Phänomene (Depresión Aislada en Niveles Altos), die zu plötzlich auftretenden Starkregenereignissen führen können – mit hoher Zerstörungskraft.
Innerhalb weniger Stunden fiel gebietsweise mehr als 130 Liter Regen pro Quadratmeter, weit mehr als üblich für einen ganzen Monat.
Tourismus betroffen – Schäden gehen in die Millionen
Für die Baleareninseln, die noch bis in den Spätherbst hinein Touristen empfangen, sind die Folgen gravierend. Zahlreiche Urlauber mussten ihre Abreise verschieben oder in Notunterkünften übernachten, weil Flüge gestrichen wurden. Hotels melden überschwemmte Lobbys, beschädigte Technik und Stornierungen.
Lokalpolitiker sprechen von Schäden in Millionenhöhe, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen, die auf den Herbsttourismus angewiesen sind. Die Balearenregierung will in den kommenden Tagen Soforthilfen und Hilfspakete für betroffene Betriebe und Privatpersonen prüfen.
Stimmen aus der Region: „So etwas haben wir hier noch nie erlebt.“
Einwohner Ibizas berichten von Szenen, wie sie sie bisher nur aus Nachrichten über tropische Wirbelstürme kannten.
„Das Wasser kam innerhalb von Minuten. Die Straße wurde zu einem Fluss. Unser Laden steht komplett unter Wasser“, sagt ein Geschäftsinhaber aus der Altstadt von Ibiza-Stadt.
Ein anderer schildert: „Ich lebe seit 40 Jahren hier, aber so ein Gewitter – mit so viel Wasser in so kurzer Zeit – ist mir noch nie begegnet.“
Klimaforscher warnen: Extremwetter wird häufiger
Experten sehen in den Ereignissen einen klaren Fingerzeig auf die Auswirkungen des Klimawandels. Die steigenden Meerestemperaturen rund um die Balearen begünstigen die Bildung von Starkregen- und Gewitterzellen. Bereits jetzt warnen Klimaforscher, dass solche Ereignisse künftig häufiger und intensiver auftreten könnten – mit massiven Folgen für die Infrastruktur, den Tourismus und die Versorgungssicherheit der Inseln.