In Bad Oldesloe spielt sich ein erschütternder Fall ab: Eine 37-jährige, schwer krebskranke Mutter und ihre drei Kinder im Alter von drei, acht und elf Jahren müssen seit Monaten in einer von Schimmel befallenen Wohnung ausharren. Trotz Sanierungsversprechen des Vermieters hat sich die Situation nicht verbessert – im Gegenteil: Ärzte warnen inzwischen eindringlich vor den gesundheitlichen Folgen und fordern einen sofortigen Umzug.
Schimmel in allen Wohnräumen
Die Familie Agyeman lebt in einem Flachbau der sogenannten Hölk-Häuser, die in der Region vor allem durch ihre markanten Hochhäuser bekannt sind. Doch hinter den Fassaden herrscht Verfall: Schwarzer Schimmel hat die Wände großflächig überzogen, der Geruch von modrig-süßlicher Fäule zieht durch alle Zimmer.
„Ich niese und huste die ganze Zeit im Bett“, berichtet die achtjährige Maria, während sie auf die dunklen Flecken an der Wand neben ihrem Stockbett zeigt. Auch ihre Brüder Lennox (11) und Prince (3) schlafen direkt neben den belasteten Wänden.
Im Schlafzimmer der Mutter ist die Situation besonders gravierend: Der Schimmelgeruch ist so intensiv, dass Abigail Agyeman inzwischen ins Wohnzimmer ausweichen muss. „Durch meine Krankheit und den Schimmel muss ich mich häufig übergeben“, schildert die 37-Jährige.
Ärzte schlagen Alarm
Ein ärztliches Attest lässt keinen Zweifel zu:
„Aus medizinischer Sicht ist ein unverzüglicher Umzug zwingend erforderlich. Der Verbleib in der betroffenen Wohnung stellt ein erhebliches gesundheitliches Risiko dar“, heißt es in der Stellungnahme der behandelnden Onkologin. Insbesondere für die an Krebs erkrankte Mutter, deren Immunsystem stark geschwächt ist, könne die Belastung lebensgefährlich werden. Doch auch für die Kinder besteht ein erhebliches Risiko, langfristig Atemwegserkrankungen oder Allergien zu entwickeln.
Vermieter unter Druck
Der Fall ist dem Vermieter, der Lietmeyer Unternehmensgruppe, seit Juli bekannt. Ein betreuender Sozialarbeiter meldete den massiven Schimmelbefall bereits vor über zwei Monaten. Da keine Abhilfe geschaffen wurde, schaltete sich inzwischen auch der Mieterverein ein und forderte mit anwaltlichem Schreiben die sofortige Beseitigung der Schäden. Zwar erklärte der Vermieter, die Wohnung sei bereits saniert worden – doch der Schimmel ist weiterhin da.
Politische und gesellschaftliche Dimension
Der Fall wirft ein Schlaglicht auf ein Problem, das viele Mieter in Deutschland betrifft: Schimmelbefall in Wohnräumen gehört zu den häufigsten Mietmängeln, doch Betroffene kämpfen oft lange vergeblich um Abhilfe. Besonders dramatisch wird es, wenn vulnerable Gruppen wie Schwerkranke oder Kinder betroffen sind.
Offene Fragen
Noch ist unklar, wie es für die Familie weitergeht. Ein Umzug gilt aus medizinischer Sicht als unumgänglich, doch bislang fehlt eine Lösung. Der Druck auf den Vermieter und die zuständigen Behörden steigt – nicht zuletzt, weil die öffentliche Aufmerksamkeit wächst.