Die finanzielle Lage vieler Haushalte in Deutschland spitzt sich zu: Immer mehr Menschen müssen selbst für Alltägliches wie Lebensmitteleinkäufe Geld leihen. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey. Demnach hat sich mehr als die Hälfte der unter 50-Jährigen in den vergangenen 24 Monaten Geld geliehen – sei es innerhalb der Familie, von Freunden oder über einen Kredit bei der Bank.
Familie und Banken als wichtigste Quellen
Besonders häufig griffen die Befragten auf private Unterstützung zurück: 44 Prozent liehen sich Geld von Familienmitgliedern oder Verwandten. Doch auch der Weg über Kreditinstitute spielt eine große Rolle – 40 Prozent der Befragten gaben an, einen Bankkredit aufgenommen zu haben. Damit wird deutlich: Für viele ist die private Hilfe nicht ausreichend, und sie sehen sich gezwungen, Schulden bei professionellen Anbietern zu machen.
Lebensmittel unter den Hauptgründen für Schulden
Auf die Frage, wofür die geliehenen Gelder eingesetzt wurden, nannten 27 Prozent Ausgaben rund um das Auto – etwa für Reparaturen, Versicherungen oder Treibstoff. Noch alarmierender ist jedoch, dass 26,6 Prozent der Befragten angaben, Kredite für den Kauf von Lebensmitteln verwendet zu haben. Damit steht die Deckung der Grundversorgung fast gleichauf mit den Kosten für Mobilität.
Armutsrisiko und soziale Schieflage
Experten sehen in den Ergebnissen ein Warnsignal: Wenn alltägliche Lebenshaltungskosten nicht mehr aus dem regulären Einkommen gedeckt werden können, steigt das Risiko der Überschuldung rapide an. Besonders betroffen sind demnach jüngere Menschen, Alleinerziehende sowie Haushalte mit niedrigen Einkommen. Viele von ihnen greifen zunächst auf die Unterstützung innerhalb der Familie zurück – doch wenn das nicht reicht, bleibt oft nur der Gang zur Bank.
Gesellschaftliche Folgen
Sozialverbände warnen, dass diese Entwicklung langfristig zu einer „stillen Verschuldungskrise“ führen könnte. Wer für Lebensmittel oder andere Grundausgaben Kredite aufnimmt, läuft Gefahr, in eine Schuldenfalle zu geraten, da keine Rücklagen für unvorhergesehene Ereignisse vorhanden sind. Hinzu kommen steigende Lebenshaltungskosten, hohe Mieten und ein unsicherer Arbeitsmarkt, die den Druck auf viele Haushalte weiter erhöhen.
Ein Blick nach vorn
Politische Forderungen nach einer stärkeren Entlastung von Geringverdienern und Familien könnten durch die Ergebnisse neuen Auftrieb erhalten. Diskutiert werden unter anderem gezielte Lebensmittelzuschüsse, Steuererleichterungen und eine bessere Schuldnerberatung. Die Studie zeigt deutlich: Immer mehr Menschen brauchen Unterstützung, um ihre Grundversorgung zu sichern – ein Signal, das Politik und Gesellschaft nicht übersehen können.