Mit viel Geschick, Präzision und einer guten Portion Humor messen sich heute Straßenbahnfahrerinnen und -fahrer aus 25 Städten bei der ersten Tram-Weltmeisterschaft auf der Wiener Ringstraße. Statt klassischem Wettrennen geht es in acht unterhaltsamen und anspruchsvollen Disziplinen um fahrerisches Können, Konzentration – und oft um jeden Tropfen Wasser.
Die Wiener Lokalmatadoren Elisabeth Urbanitsch und Florijan Isaku lagen am frühen Nachmittag lange an der Spitze, wurden dann jedoch durch ein seltenes „Strike“ beim Tram-Bowling von den Teilnehmern aus Posen (Polen) überholt. Kurz vor dem Ende des ersten Durchgangs schob sich auch noch das Team aus Oslo hauchdünn vorbei – Rang drei für Wien, aber weiter mit Chancen auf das Podium.
Von Tram-Bowling bis Stop & Go – Disziplinen mit Augenzwinkern und Anspruch
In den Disziplinen geht es nicht nur um Technik, sondern auch um Gefühl und Präzision. Zu den Herausforderungen zählen:
-
Tram-Bowling: Mit der Straßenbahn wird ein großer Ball auf luftgefüllte Kegel geschossen.
-
Stop & Go: Beschleunigen und Bremsen – aber so sanft, dass ein Wasserbecher auf der Front nicht verschüttet wird.
-
Fahren mit verdecktem Tacho: Gleichmäßige Geschwindigkeit ganz ohne Blick auf die Anzeige.
-
Tram-Curling: Eine Curling-Draisine muss punktgenau bewegt werden.
-
Rückwärtsfahren, zielgenaues Einparken und Hindernisparcours runden das Spektakel ab.
Wer zu ruckartig fährt, zu eng parkt oder Wasser verschüttet, kassiert Punkteabzug. Dafür werden ruhige, präzise und zügige Fahrweisen belohnt – ein Balanceakt zwischen Technik und Feingefühl.
Wien wird zum Zentrum der weltweiten Straßenbahnszene
Die Veranstaltung ist nicht nur sportlich, sondern auch symbolisch ein Meilenstein: Erstmals findet statt einer Tram-Europameisterschaft eine Weltmeisterschaft statt. Ursprünglich 2012 in Dresden als Tram-EM gestartet, hat sich das Format zur internationalen Bühne entwickelt.
Neben europäischen Großstädten wie Budapest, Paris, Kiew, Berlin, Stockholm und Leipzig treten auch Teams aus Rio de Janeiro, Casablanca, Oran, Melbourne, San Diego und Hongkong an. Gefahren wird mit Wiener Straßenbahnmodellen (Flexity und ULF), auf die sich die Gäste in den vergangenen Tagen in einer Wiener Remise vorbereiten konnten.
Begeisterung auf dem Rathausplatz
Zahlreiche Zuschauerinnen und Zuschauer versammeln sich am Rathausplatz und entlang der Ringstraße, um das außergewöhnliche Event mitzuverfolgen. Kinder und Familien staunen über fahrende Straßenbahnen mit balancierenden Tassen oder riesigen Bowlingkugeln, während Fachleute aus der Branche das Fahrkönnen mit Respekt beobachten.
Ein Fest der Mobilität – und der internationalen Verbundenheit
Die Tram-WM ist nicht nur ein Wettbewerb der Besten, sondern auch ein Fest für den öffentlichen Verkehr – mit Humor, Herz und internationalem Flair. Wien zeigt sich dabei erneut als Vorreiter für moderne, nachhaltige Mobilität – und als Gastgeber mit Sinn für Innovation und Gemeinschaft.
Ob es für Urbanitsch und Isaku am Ende doch noch für den Titel reicht, bleibt spannend – aber eins steht fest: Wien hat schon jetzt das Herz vieler Fahrgäste und Kolleginnen weltweit gewonnen.