Der Arbeitskampf beim Essenslieferdienst Lieferando geht in Hamburg weiter. Am Freitag rief die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) erneut zu einem ganztägigen Streik auf. Hintergrund sind die Pläne des Unternehmens, Hunderte Fahrerstellen abzubauen und die Zustellung künftig verstärkt an Sub-Unternehmen auszulagern.
Protest in Barmbek – lautstark, aber überschaubar
Vor einem Hotel in Hamburg-Barmbek, wo die Verhandlungen zwischen Unternehmensführung und Gewerkschaft stattfanden, versammelte sich am Freitag eine kleine, aber lautstarke Gruppe von Fahrerinnen und Fahrern sowie Unterstützern. Unter den Teilnehmenden waren auch Bürgerschaftsabgeordnete von SPD, Grünen und Linken sowie Anja Piel, Mitglied im Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).
Piel machte in einer Rede deutlich, dass sie eine Auslagerung des Liefergeschäfts entschieden ablehnt: „Wir sind dafür, dass die Fahrerinnen und Fahrer direkt angestellt werden. In der Fleischindustrie hat das nach der Abschaffung von Werkverträgen hervorragend funktioniert – da ist die Bratwurst nicht ausgegangen. Auch bei Lieferando würde das klappen, wenn das Unternehmen die Verantwortung übernimmt. Deshalb stehen wir heute hier.“
Bis zu 500 Stellen gefährdet
Nach Angaben der Gewerkschaft stehen allein in Hamburg rund 500 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Bundesweit könnten es noch deutlich mehr werden. Die NGG warnt davor, dass durch die Auslagerung an Subunternehmen prekäre Arbeitsverhältnisse, schlechtere Bezahlung und weniger Mitspracherechte für die Beschäftigten drohen.
Forderung nach Sozialtarifvertrag
Kernforderung der Gewerkschaft ist ein Sozialtarifvertrag, der die Fahrerinnen und Fahrer im Falle von Entlassungen absichert. Dazu gehören angemessene Abfindungen sowie verbindliche Regelungen für den Übergang in neue Beschäftigungsverhältnisse. „Die Menschen dürfen nicht einfach auf die Straße gesetzt werden, nachdem sie jahrelang das Geschäftsmodell von Lieferando am Laufen gehalten haben“, erklärte ein NGG-Sprecher.
Politik mischt sich ein
Erst am Mittwoch hatte auch die Hamburgische Bürgerschaft die Arbeitsbedingungen bei Lieferdiensten diskutiert. Mehrere Fraktionen forderten dabei, die Beschäftigtenrechte in der Branche zu stärken und die Praxis der Auslagerung zu begrenzen.
Ausblick
Die Verhandlungen zwischen Lieferando und der Gewerkschaft NGG sollen in den kommenden Wochen fortgesetzt werden. Sollte keine Einigung erzielt werden, schließt die NGG weitere Streiks nicht aus – nicht nur in Hamburg, sondern auch in anderen deutschen Städten, in denen ähnliche Pläne zur Auslagerung der Zustellung bekannt geworden sind.