Kurz vor dem nächsten Eurovision Song Contest (ESC) in Wien verschärft sich der Streit um die Teilnahme Israels weiter. Nun hat mit Irland erstmals ein öffentlich-rechtlicher Sender offen einen Boykott angekündigt, sollte Israel beim Musikwettbewerb antreten dürfen. Die Entscheidung des Senders RTÉ sorgt europaweit für Aufsehen – und könnte eine Kettenreaktion auslösen.
In einer offiziellen Stellungnahme erklärte RTÉ:
„Angesichts des anhaltenden und entsetzlichen Verlusts von Menschenleben im Gazastreifen ist eine Teilnahme Israels aus unserer Sicht unvertretbar.“
Irlands Schritt geht damit weit über die bisherigen kritischen Töne anderer ESC-Teilnehmerländer hinaus. Auch Spanien, Belgien und Slowenien hatten zuvor bereits ihre Bedenken geäußert – doch Irland ist der erste Sender, der konkret mit Rückzug droht, sollte Israel einen Startplatz erhalten.
Entscheidung der EBU noch ausständig
Ob Israel tatsächlich zum ESC 2025 in Wien zugelassen wird, ist noch nicht endgültig entschieden. Die European Broadcasting Union (EBU), die den Wettbewerb ausrichtet, hat sich bislang auf ihre Neutralitätsregel berufen, die eine Teilnahme trotz politischer Spannungen grundsätzlich erlaubt. Eine finale Entscheidung steht allerdings noch aus.
Erst dann will auch RTÉ über den tatsächlichen Rückzug Irlands entscheiden. Die Signalwirkung der Ankündigung ist jedoch unübersehbar – zumal Irland mit sieben ESC-Siegen gemeinsam mit Schweden an der Spitze der erfolgreichsten Länder steht.
Spanien schließt Rückzug ebenfalls nicht aus
Unterdessen hat sich auch Spaniens Kulturminister Ernest Urtasun erneut für einen Ausschluss Israels ausgesprochen. In einem Interview mit dem öffentlich-rechtlichen Sender RTVE sagte er:
„Sollte Israel teilnehmen, müsse Spanien gegebenenfalls ebenfalls über einen Rückzug nachdenken.“
Der politische Druck auf die EBU wächst. Sollte sie an der Teilnahme Israels festhalten, droht der ESC in Wien zu einem der politisch umstrittensten Wettbewerbe in der Geschichte des Contests zu werden.
Wie die EBU reagiert – und ob sich weitere Länder dem irischen Signal anschließen – bleibt abzuwarten. Klar ist: Der ESC 2025 steht bereits jetzt unter einem politischen Schatten, den selbst die größte Musikbühne Europas nicht ignorieren kann.