Auf der Ostsee häufen sich nach Angaben von Experten Störungen des GPS-Empfangs. Was zunächst nach einem technischen Problem klingt, kann für Segler, Sportbootfahrer und die Handelsschifffahrt schnell zur Gefahr werden.
Kapitän erlebt Ausfall mitten auf See
Hans Böbs aus Travemünde ist zehn Jahre lang als Kapitän zur See gefahren, segelte nach Grönland und zu den Azoren. Doch was er kürzlich auf der Ostsee erlebte, war selbst für ihn neu.
Auf einer Fahrt von Travemünde nach Klaipeda (Litauen) fiel sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg der GPS-Empfang plötzlich aus. Die Geräte an Bord spielten verrückt: Auf der elektronischen Karte sprang seine Position hin und her, zeitweise zeigte das System sogar an, dass sich das Schiff auf dem Festland befinde.
„Wenn das über Stunden anhält, dann fragt man sich schon: Kommt der Empfang irgendwann wieder?“, sagt Böbs. „Gerade wenn schlechte Sicht einsetzt, muss ich genau wissen, wo ich mich befinde.“
Warum die Störungen gefährlich sind
Das Global Positioning System (GPS) ist heute die Grundlage fast aller Navigationssysteme auf See. Fällt es aus oder liefert falsche Daten, können Schiffe leicht vom Kurs abkommen – mit Folgen wie:
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Kollisionen mit anderen Schiffen oder Bauwerken,
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Grundberührungen bei Annäherung an Küsten oder Untiefen,
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Orientierungsverlust bei schlechter Sicht oder in der Nacht.
Vor allem kleinere Sportboote sind betroffen, da sie oft nicht über aufwendige Backup-Systeme verfügen.
Ursachen: Technische Störung oder gezieltes Störsignal?
Über die genauen Ursachen wird diskutiert. Fachleute halten sowohl natürliche Interferenzen als auch gezielte Störsender für möglich. Insbesondere im Ostseeraum mehren sich Berichte über GPS-Jamming – die absichtliche Störung von Satellitensignalen.
Die Bundeswehr und internationale Sicherheitsbehörden beobachten die Situation aufmerksam, da Störungen auch für militärische Operationen ein Risiko darstellen.
Appell an Sportbootfahrer
Der Deutsche Seglerverband (DSV) rät allen Skippern dringend, sich nicht ausschließlich auf GPS zu verlassen. Empfohlen wird, stets auch klassische Navigationsmittel an Bord zu haben:
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Papierseekarten,
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Kompass,
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Kursdreiecke und Navigationsbesteck.
„Elektronische Systeme sind hilfreich, aber sie können versagen. Wer auf See unterwegs ist, muss jederzeit auch ohne GPS navigieren können“, so der Verband.
Ausblick
Die zunehmenden Störungen zeigen, wie verwundbar die moderne Schifffahrt ist. Experten fordern deshalb eine stärkere Überwachung des Ostseeraums sowie Investitionen in alternative Navigationssysteme. Für Kapitäne wie Hans Böbs ist eines klar: „Wer auf See unterwegs ist, muss sich wieder mehr auf die alten Fertigkeiten verlassen – und darf nicht blind der Technik vertrauen.“