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Private Sicherheitsdienste gefragt: Ladendiebstähle erreichen Rekordhoch

dehaasbe (CC0), Pixabay

Die Zahl der Ladendiebstähle in Schleswig-Holstein ist auf einem neuen Höchststand. Nach Angaben des Handelsverbands Nord steigen nicht nur die Schäden, sondern auch die Gewaltbereitschaft der Täter deutlich. Viele Einzelhändler greifen deshalb zunehmend auf private Sicherheitsdienste zurück.

Händler berichten von aggressiveren Tätern

Das Modehaus Ramelow in Heide (Kreis Dithmarschen) erlebt die Entwicklung hautnah. Verkäuferin Ute Böge, seit Jahrzehnten im Unternehmen, erinnert sich an Zeiten, in denen sie Dieben noch selbst hinterherlief. Heute verzichtet sie darauf – aus Angst. „Die Täter treten oft in Gruppen auf und sind viel aggressiver als früher“, sagt sie.

Auch Store-Manager Sercan Yildiz berichtet von gefährlichen Situationen. Als er gemeinsam mit einem Mitarbeiter einen mutmaßlichen Dieb verfolgte, seien sie draußen mit einem Messer bedroht worden. „Wir raten unseren Angestellten inzwischen ab, Täter selbst zu stellen“, so Yildiz.

Schaden im Einzelhandel: 375.000 Euro pro Tag

Nach Schätzungen des Handelsverbands Nord entgehen dem Einzelhandel in Schleswig-Holstein täglich rund 375.000 Euro durch Diebstähle. Darin enthalten sind ausschließlich Kundendelikte – Diebstähle durch Mitarbeiter oder Lieferanten sind nicht mitgerechnet. „Das ist ein Negativrekord“, sagt Verbandsvertreter Dierk Böckenholt.

Täter agieren professionell in Banden

Die Polizei bestätigt, dass bandenmäßig organisierte Tätergruppen schwerer zu erkennen sind. Das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein erklärt: „Es handelt sich oft um arbeitsteilige Vorgehensweisen, bei denen eine Person ablenkt, eine andere stiehlt und eine dritte den Abtransport übernimmt.“ Derartige Strukturen nachzuweisen, sei sehr aufwendig.

Sicherheitsdienste boomen – aber mit begrenzten Befugnissen

Viele Händler setzen daher auf Security-Personal, das sichtbar Präsenz zeigt und so abschrecken soll. Die Landesgruppe des Verbands der Sicherheitswirtschaft bestätigt die gestiegene Nachfrage – konkrete Zahlen gibt es jedoch nicht. Auch das Modehaus Ramelow sucht derzeit nach Verstärkung.

Allerdings haben private Sicherheitskräfte nicht mehr Rechte als andere Bürger. Sie dürfen:

  • das Hausrecht durchsetzen (Hausverbote, Zutrittsverweigerung),

  • Personen, die auf frischer Tat ertappt wurden, bis zum Eintreffen der Polizei festhalten,

  • im Notfall Notwehr üben,

  • durch Präsenz und Überwachung abschrecken.

Wie wirksam private Sicherheitsdienste im Einzelhandel tatsächlich sind, bleibt offen. Die Landespolizei Schleswig-Holstein verweist auf fehlende objektive Daten und betont, dass viele Erfahrungen der Händler subjektiv geprägt seien.

Fazit

Der Frust im Einzelhandel ist groß: Die Schäden steigen, die Täter werden rücksichtsloser – und der Staat stößt an seine Grenzen. Private Sicherheitsdienste füllen diese Lücke zunehmend, auch wenn ihre Möglichkeiten begrenzt sind.

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