Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat die Preisgestaltung im europäischen Reiseverkehr scharf kritisiert. Einer aktuellen Untersuchung zufolge sind Bahnreisen auf vielen europäischen Verbindungen deutlich teurer als Flüge – obwohl Züge klimafreundlicher sind.
Vergleich von über 140 Verbindungen
Für die Analyse wurden mehr als 140 grenzüberschreitende Verbindungen zwischen europäischen Städten miteinander verglichen. Das Ergebnis: In rund der Hälfte der Fälle waren Flugtickets günstiger als Bahnfahrkarten. Besonders stark falle die Preisdifferenz auf beliebten Strecken zwischen Metropolen wie Berlin–Paris, Madrid–Barcelona oder Amsterdam–London aus.
Kritik: Fehlanreize im Verkehrssystem
Greenpeace spricht von einer „klimapolitischen Schieflage“. Statt den klimafreundlichen Schienenverkehr zu fördern, würden durch günstige Flugtickets Anreize geschaffen, auf das umweltschädlichere Flugzeug zurückzugreifen. „Solange Fliegen in Europa billiger ist als Bahnfahren, wird die Verkehrswende nicht gelingen“, erklärte ein Sprecher der Organisation.
Forderungen: Steuern rauf, Bahnkunden entlasten
Um die Bahn attraktiver zu machen, fordert Greenpeace höhere Steuern auf Flugreisen, etwa durch eine Kerosinsteuer oder eine einheitliche Ticketabgabe in Europa. Gleichzeitig sollten Bahnkunden stärker entlastet werden – durch reduzierte Mehrwertsteuersätze, einfachere Buchungssysteme und eine bessere internationale Vernetzung der Bahngesellschaften.
Klimafaktor Verkehr
Der Verkehrssektor gehört europaweit zu den größten CO₂-Verursachern. Laut Greenpeace könnte ein verlagertes Reiseverhalten – weg vom Flugzeug hin zur Bahn – erheblich dazu beitragen, die Klimaziele der EU zu erreichen. Doch solange die Preisunterschiede zu Ungunsten der Bahn bestehen, sei dieser Wandel schwer umsetzbar.