Die Diskussion um eine mögliche Kontaktgebühr für Arztbesuche sorgt in Deutschland für Streit. Während der Arbeitgeberverband jüngst vorschlug, gesetzlich Versicherte sollten bei jedem Praxisbesuch eine Gebühr zahlen, um das Aufsuchen „zu vieler verschiedener Ärzte“ einzudämmen, stößt die Idee bei Hausärzten auf deutliche Ablehnung.
Nicola Buhlinger-Göpfarth, Co-Vorsitzende des Hausärzteverbandes, bezeichnete den Vorschlag gegenüber der Rheinischen Post als „unsozial und gefährlich“. Viele Menschen würden aus Angst vor zusätzlichen Kosten Arztbesuche aufschieben oder ganz vermeiden. „Gerade chronisch Kranke und ältere Patientinnen und Patienten könnten darunter massiv leiden, wenn sie sich eine notwendige Konsultation nicht mehr leisten wollen oder können“, warnte sie.
Rückkehr zu alten Debatten
Eine solche Gebühr erinnert an die frühere Praxisgebühr, die 2004 eingeführt und 2012 wieder abgeschafft wurde. Schon damals war die Kritik groß: Zwar sollten unnötige Arztbesuche verhindert werden, tatsächlich führte die Regelung jedoch vor allem zu einer höheren finanziellen Belastung für Patientinnen und Patienten – ohne die erhoffte Entlastung des Gesundheitssystems.
Sorge vor Verschlechterung der Versorgung
Der Hausärzte-Verband befürchtet, dass eine erneute Gebühr zu einer Verschlechterung der medizinischen Versorgung führt. Wer aus Kostengründen nicht rechtzeitig zum Arzt gehe, riskiere eine Verschlimmerung seiner Beschwerden – mit deutlich teureren Behandlungen im weiteren Verlauf. „Das Gesundheitssystem spart am falschen Ende“, so Buhlinger-Göpfarth.
Arbeitgeberverband fordert Steuerung
Der Arbeitgeberverband hatte die Kontaktgebühr als Steuerungsinstrument vorgeschlagen. Ziel sei es, die Zahl der Arztkontakte in Deutschland zu verringern. Im internationalen Vergleich suchen Patientinnen und Patienten hierzulande besonders häufig Ärzte auf. Kritiker verweisen jedoch darauf, dass die hohe Zahl auch mit der guten Erreichbarkeit und dem breiten Versorgungsnetz zusammenhängt.
Politische Debatte zeichnet sich ab
Ob der Vorschlag tatsächlich Eingang in die gesundheitspolitische Agenda findet, ist offen. Während Ärzteverbände und Patientenvertreter vor den sozialen Folgen warnen, sehen einige Ökonomen in einer moderaten Gebühr ein mögliches Mittel, um Fehlanreize im System zu reduzieren. Eine Entscheidung könnte damit auch zu einem politischen Streitpunkt in der Gesundheitspolitik werden.