Der Placeboeffekt – also die Besserung von Beschwerden allein durch die Erwartung einer wirksamen Behandlung – fällt bei Menschen aus wirtschaftlich schwächeren Regionen deutlich stärker aus. Das zeigt eine Untersuchung der MedUni Wien, die im Fachjournal Annals of Rheumatic Diseases erschienen ist.
Das Forschungsteam um Andreas Kerschbaumer analysierte 124 klinische Studien zur rheumatoiden Arthritis mit insgesamt 14.272 Teilnehmern weltweit. Das Ergebnis: Je niedriger das Bruttonationaleinkommen pro Kopf im Herkunftsland der Probanden, desto höher die Ansprechraten in Placebogruppen. Konkret steigt der Placeboeffekt im Schnitt um 3,7 Prozent, wenn das Pro-Kopf-Einkommen um 10.000 US-Dollar niedriger liegt.
Dieser Effekt verändert das Kräfteverhältnis in Studien: Der Abstand zwischen Placebogruppe und aktiv behandelter Gruppe wird in ärmeren Ländern kleiner, obwohl die Wirksamkeit der Medikamente konstant bleibt. Für die Objektivität klinischer Studien ist das problematisch – insbesondere, da immer mehr internationale Arzneimitteltests auch in einkommensschwachen Ländern stattfinden.
Als mögliche Gründe nennen die Forscher eingeschränkten Zugang zu Therapien, die Aussicht auf bessere medizinische Betreuung im Rahmen der Studien sowie den Einfluss der gesamten „Studienumgebung“. In ärmeren Ländern kann allein diese neue Versorgungssituation zu spürbaren Verbesserungen führen – selbst ohne wirksamen Wirkstoff.
Die Studienautoren fordern daher, sozioökonomische Faktoren schon bei der Planung von Phase-III-Studien einzubeziehen, um Verzerrungen in den Wirksamkeitsbewertungen zu vermeiden.