Die Gouverneurin der US-Notenbank (Federal Reserve), Adriana Kugler, hat ihren Rücktritt zum 8. August angekündigt. Damit erhält Präsident Donald Trump die Gelegenheit, noch vor Ablauf ihrer regulären Amtszeit im Januar 2026 einen weiteren Sitz im siebenköpfigen Leitungsgremium der Zentralbank neu zu besetzen – und dies mitten in seiner intensiven Kampagne zur Senkung der Leitzinsen.
Die Ankündigung folgt nur zwei Tage nach der Entscheidung der Fed, den Leitzins unverändert zu belassen – trotz zunehmendem Druck aus dem Weißen Haus. Die Trump-nahen Fed-Mitglieder Michelle Bowman und Christopher Waller hatten bei der Zinssitzung vom Votum abweichende Meinungen vertreten. Kugler war bei der Sitzung nicht anwesend.
Kugler kehrt an Universität zurück
In ihrer Rücktrittserklärung nannte Kugler keine konkreten Gründe, erklärte jedoch, sie werde im Herbst an die Georgetown University zurückkehren, wo sie eine Professur übernehmen werde. In einem Schreiben an Präsident Trump bezeichnete sie ihre Zeit bei der Fed als „Ehre ihres Lebens“.
„Ich bin besonders stolz darauf, in einer entscheidenden Phase zur Erfüllung unseres Doppelmandats – Inflationsbekämpfung und Sicherung eines starken Arbeitsmarkts – beigetragen zu haben“, schrieb Kugler.
Trumps Einfluss auf Fed-Politik wächst
Die Personalie kommt zu einem strategisch günstigen Zeitpunkt für Trump. Bereits seit Monaten drängt der Präsident öffentlich auf eine Senkung der Leitzinsen, um das Wachstum anzukurbeln – insbesondere vor dem Hintergrund eines schwächelnden Arbeitsmarkts und zunehmender Rezessionsängste. Kuglers Rücktritt könnte Trump die Möglichkeit geben, die geldpolitische Richtung der Fed langfristig zu beeinflussen.
Der Chefökonom der Comerica Bank, Bill Adams, äußerte, Trump könne die Gelegenheit auch nutzen, um frühzeitig seinen Favoriten als Nachfolger von Fed-Chef Jerome Powell zu positionieren. Powells Amtszeit endet im Mai 2026. Zwar hat Trump zuletzt davon abgesehen, Powell vorzeitig entlassen zu wollen, doch seine Kritik an dessen Zinspolitik hält an.
„Vielleicht verfolgt der nächste Fed-Vorsitzende einen anderen geldpolitischen Ansatz“, so Adams. „Doch man sollte nicht vergessen, dass auch Powell ursprünglich von Trump ernannt wurde.“
Ausblick: Leitzinssenkung vor oder nach dem Wechsel?
Viele Analysten erwarten, dass die Fed angesichts der jüngsten Wirtschaftsdaten noch vor Powells Amtszeitende die Zinsen senken könnte. Damit würde ein Wechsel an der Spitze der Zentralbank möglicherweise weniger konfrontativ verlaufen – und Trump könnte den geldpolitischen Kurs dennoch in seinem Sinne beeinflussen.
Hintergrund: Die Federal Reserve ist unabhängig, ihre Leitung wird jedoch vom US-Präsidenten nominiert und vom Senat bestätigt. Eine Neubesetzung hat somit politische, wirtschaftliche und marktrelevante Auswirkungen.