Die Lacuna Windpark Hohenzellig GmbH & Co. KG blickt im Geschäftsjahr 2024 auf ein solides, wenngleich ertragsschwächeres Jahr zurück. Die Gesellschaft betreibt acht Windenergieanlagen in der Windregion 20 bei Hohenzellig/Konradsreuth und erzielt ihre Einnahmen über die Einspeisung von Strom nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Weitere unternehmerische Tätigkeiten werden nicht entfaltet. Der Windpark weist eine hohe technische Verfügbarkeit auf, dennoch blieb die Stromproduktion infolge eines unterdurchschnittlichen Windjahres deutlich hinter den Erwartungen zurück. Trotz aller wetterbedingten Herausforderungen bleibt der Jahresabschluss geprägt von einer stabilen Vermögens- und Finanzlage, einer disziplinierten Schuldenpolitik und einem geordneten Betrieb.
Die Ertragslage war im Berichtsjahr von einer deutlich gesunkenen Stromeinspeisung geprägt. Mit 47.211.909 kWh lag die Einspeisemenge rund 5,5 % unter der prospektierten Menge und sogar 15,2 % unter dem Vorjahreswert von 55.684.715 kWh. Dieser Rückgang ist auf das unterdurchschnittliche Windaufkommen im Jahr 2024 zurückzuführen. Die Windregion 20, in der sich der Windpark befindet, verzeichnete ein Windaufkommen von nur 93,1 % im Vergleich zum langjährigen Mittel. Dennoch liegt der Park mit einem Ertragsniveau von 94,5 % im Verhältnis zur Ertragsprognose leicht über dem regionalen Schnitt. Der Vergütungssatz für eingespeisten Strom konnte mit durchschnittlich 8,89 ct/kWh über dem prospektierten Wert von 8,70 ct/kWh gehalten werden, blieb jedoch leicht unter dem Vorjahreswert von 9,05 ct/kWh. Die resultierenden Stromerlöse beliefen sich auf 4,19 Mio. Euro, was einem Rückgang von rund 850.000 Euro gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Dieser Rückgang in den Einnahmen hat sich unmittelbar auf das Betriebsergebnis ausgewirkt, das von 1,97 Mio. Euro im Vorjahr auf 964.700 Euro im Berichtsjahr fiel – ein Rückgang um rund 51 %. Der Gewinn vor Steuern reduzierte sich auf 533.800 Euro (VJ: 1,46 Mio. Euro), das Jahresergebnis nach Steuern sank auf 473.219 Euro (VJ: 1,29 Mio. Euro). Somit ist der Gewinn im Vergleich zum Vorjahr um über 63 % zurückgegangen. Zu beachten ist dabei, dass es sich um ein schwaches Windjahr handelt, sodass dieser Rückgang als witterungsbedingt einzuordnen ist und nicht als strukturelles Problem gewertet werden muss.
Hervorzuheben ist die weiterhin starke technische Performance des Parks. Die durchschnittliche Verfügbarkeit der Anlagen lag im Jahr 2024 bei 98,9 % und übertraf damit die vom Hersteller Nordex garantierte Schwelle von 97 %. Technische Stillstände oder Ausfälle wurden weitgehend durch Wartungsverträge und Verfügbarkeitsgarantien kompensiert. Der Betrieb verlief aus technischer Sicht weitgehend reibungslos.
Finanziell betrachtet weist die Gesellschaft eine solide Struktur auf. Die Bilanzsumme verringerte sich von rund 26,8 Mio. Euro im Vorjahr auf 24,6 Mio. Euro, was in erster Linie auf planmäßige Abschreibungen auf das Anlagevermögen und auf Tilgungen langfristiger Darlehen zurückzuführen ist. Die Eigenkapitalquote stieg leicht von 41,9 % auf 43,1 %, was ein Indiz für eine gesunde Kapitalstruktur ist. Die langfristigen Bankverbindlichkeiten konnten planmäßig um rund 1,5 Mio. Euro reduziert werden und beliefen sich zum Jahresende auf rund 13,1 Mio. Euro. Die liquiden Mittel zum Bilanzstichtag lagen mit 2,89 Mio. Euro leicht über dem Vorjahreswert. Alle Reservekonten, insbesondere das Kapitaldienst- und das Rückbaureservekonto, sind vertragsgemäß befüllt.
Kritisch zu betrachten ist hingegen die Auszahlungspolitik der Gesellschaft. Trotz eines deutlich reduzierten Jahresüberschusses wurde eine Ausschüttung an die Gesellschafter in Höhe von 1.077.750 Euro vorgenommen, was 9 % des Kommanditkapitals entspricht. Diese Zahlung überstieg den im Geschäftsjahr erzielten Gewinn erheblich und musste somit aus bestehenden Gewinnvorträgen bzw. der Liquiditätsreserve bedient werden. Die kumulierten Entnahmen summieren sich mittlerweile auf 4,77 Mio. Euro und übersteigen damit die kumulierten Jahresergebnisse in Höhe von 2,93 Mio. Euro. Diese Entwicklung weist darauf hin, dass die Substanz der Gesellschaft in Jahren mit schwächerem Ergebnis durch die Ausschüttungspolitik tendenziell beansprucht wird. Eine dauerhafte Beibehaltung dieser Praxis ist bei mehreren Folgejahren mit niedriger Einspeisung risikobehaftet.
Aus regulatorischer Sicht bestehen aktuell keine besonderen Nachrüstverpflichtungen, etwa im Zusammenhang mit der bedarfsgerechten Nachtkennzeichnung (BNK). Der Windpark befindet sich in einer Kontrollzone eines Verkehrslandeplatzes und ist daher von der BNK-Pflicht ausgenommen, sodass zusätzliche Investitionen vermieden werden konnten. Auch Netzabschaltungen durch Redispatch-Maßnahmen hatten im Berichtsjahr keine negativen finanziellen Folgen, da eine gesetzliche Kompensation gemäß § 13a EnWG erfolgte.
Die Wirtschaftsprüfer bestätigen im uneingeschränkten Bestätigungsvermerk die Ordnungsmäßigkeit des Jahresabschlusses sowie des Lageberichts. Die Prüfung erfolgte gemäß § 25 Vermögensanlagengesetz (VermAnlG) in Verbindung mit § 317 HGB. Es wurden keine Einwendungen festgestellt. Der Jahresabschluss vermittelt nach Einschätzung der Prüfer ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage.
Für Anleger ergibt sich insgesamt ein gemischtes, aber überwiegend positives Bild. Die Gesellschaft ist technisch zuverlässig, verfügt über eine stabile Bilanzstruktur und erfüllt ihre Verpflichtungen gegenüber Kapitalgebern diszipliniert. Dennoch ist der Rückgang des Jahresergebnisses ein klares Signal für die hohe Wetterabhängigkeit des Geschäftsmodells. Die Höhe der Ausschüttung im Verhältnis zum Gewinn ist zu beobachten – insbesondere im Hinblick auf die Substanzerhaltung der Gesellschaft. Positiv ist zu bewerten, dass keine unvorhergesehenen Investitionen notwendig waren und dass die Einnahmen aus Stromverkäufen trotz schwieriger Rahmenbedingungen über den prospektierten Erwartungen lagen. Bei normalem Windjahr 2025 kann ein wieder höherer Jahresüberschuss erwartet werden. Die Grundvoraussetzungen für eine langfristig erfolgreiche Projektentwicklung sind gegeben, sofern die Witterungsbedingungen und politischen Rahmenbedingungen mitspielen. Anleger sollten daher Chancen wie Risiken fortlaufend im Blick behalten.