Die gesetzlichen Krankenkassen wollen den Zugang zu Psychotherapie grundlegend reformieren. Der Hintergrund: Patienten, die dringend Hilfe brauchen, warten häufig monatelang auf einen Termin. Das sei vor allem für Menschen in akuten psychischen Krisen untragbar, erklärte Stefanie Stoff-Ahnis, Vize-Chefin des GKV-Spitzenverbandes, im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.
Lange Wartezeiten trotz ausreichender Kapazitäten
Stoff-Ahnis machte deutlich, dass es in Deutschland nicht grundsätzlich zu wenige Psychotherapieplätze gebe, sondern dass die Organisation der Terminvergabe ineffizient sei. Aktuell müssen sich Betroffene selbst auf die Suche nach einem Platz machen – oft ohne klare Orientierung und trotz akutem Bedarf. Viele Therapeutinnen und Therapeuten arbeiten in Einzelpraxen und vergeben freie Termine unabhängig voneinander, was die Suche für Patienten extrem schwierig macht.
Vorschlag: Meldepflicht und zentrale Terminvergabe
Um dieses Problem zu lösen, fordern die Krankenkassen eine gesetzliche Verpflichtung für Psychotherapeuten, freie Plätze zu melden. Diese sollen dann über eine zentrale Plattform koordiniert und vergeben werden. Ziel ist es, Wartezeiten deutlich zu verkürzen und Patienten mit dringendem Bedarf vorrangig zu versorgen.
„Gerade für schwer erkrankte Menschen ist es nicht zumutbar, sich eigenständig und ohne Hilfestellung durch ein unübersichtliches System zu kämpfen“, betonte Stoff-Ahnis. Ein digitales Meldesystem könne Transparenz schaffen und dafür sorgen, dass Therapieplätze schnell und bedarfsgerecht vermittelt werden.
Hintergrund und Ausblick
Psychische Erkrankungen nehmen seit Jahren zu, während Wartezeiten auf Therapieplätze vielerorts bei mehreren Monaten liegen. Experten warnen, dass diese Verzögerungen die Erkrankungen verschlimmern und im schlimmsten Fall zu Suizidversuchen führen können. Der Vorschlag der Krankenkassen wird nun in der Gesundheitspolitik diskutiert.
Ob und wann eine gesetzliche Regelung kommt, ist offen. Klar ist aber: Eine Reform der Terminvergabe könnte die psychotherapeutische Versorgung in Deutschland entscheidend verändern.