Im Krisen- oder Katastrophenfall zählt oft jede Sekunde – doch in Deutschland fehlt es nach Einschätzung des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) an ausreichend vielen Menschen, die in einer solchen Situation richtig helfen können. Das beklagt Heike Spieker, Leiterin des DRK-Bereichs Nationale Hilfsgesellschaft.
„Wir brauchen in Deutschland eine breit verankerte Kultur der Ersten Hilfe und Selbsthilfe“, so Spieker. Um die Bevölkerung für Notlagen, Großschadensereignisse oder Naturkatastrophen besser zu wappnen, müssten rund vier Millionen Menschen geschult werden. Das sei die Schwelle, ab der im Ernstfall genug Wissen in der Gesellschaft vorhanden sei, „um sich selbst und gegenseitig helfen zu können“, so Spieker weiter.
Das DRK sieht dabei nicht nur den Schutz der eigenen Familie im Vordergrund, sondern auch die Stärkung der allgemeinen Resilienz der Gesellschaft. In Zeiten zunehmender Extremwetter, technischer Störfälle oder auch geopolitischer Spannungen seien zivile Kompetenzen wie Erste Hilfe, Notfallvorsorge und einfache Überlebensstrategien von zentraler Bedeutung.
Zwar bieten Hilfsorganisationen wie das DRK, die Johanniter, Malteser oder das Technische Hilfswerk (THW) bereits breit gefächerte Schulungen an – von klassischen Erste-Hilfe-Kursen über Selbstschutz-Trainings bis hin zu Katastrophenschutz-Workshops. Doch diese Angebote müssten ausgebaut und stärker in die Fläche getragen werden, fordert Spieker.
Auch Bildungseinrichtungen, Arbeitgeber und Kommunen könnten eine wichtige Rolle übernehmen – etwa durch verpflichtende Schulungen, Informationskampagnen oder lokale Trainingsangebote. Ziel müsse es sein, das „Wissen um Hilfe“ so selbstverständlich zu machen wie das Autofahren oder den Brandschutz.
Angesichts aktueller Risiken sei es dringend an der Zeit, Vorsorge zur Gemeinschaftsaufgabe zu machen, betont das DRK – damit aus Betroffenen im Ernstfall aktive Helferinnen und Helfer werden können.