Fauja Singh hat der Welt gezeigt, dass man mit 100 noch schneller laufen kann als viele mit 30 – nur leider nicht schnell genug für den Verkehr in Jalandhar. Der älteste Marathonläufer der Welt, Held mit Turban und Bart, wurde mit 114 Jahren nicht vom Alter besiegt, sondern von einem Auto. Man könnte sagen: Wenn schon raus aus dem Leben, dann wenigstens im vollen Sprint der Ironie entgegen.
Dass jemand, der mit 89 freiwillig anfängt, Marathons zu laufen, mit 101 immer noch Zieleinläufe meistert, und dann von einem Pkw auf der Straße „überholt“ wird, ist so tragisch wie absurd – fast wie das Finale eines britischen Schwarzweißfilms mit Understatement und Tränchen.
Kein Guinness, kein Glück
Natürlich konnte er nie offiziell als ältester Marathonläufer ins Guinness-Buch – denn wie jeder weiß, zählt ein Jahrhundert Lebensleistung nichts, wenn man seine Geburtsurkunde nicht eingescannt parat hat. Dass er aber 114 Jahre lang geatmet, gelaufen und inspiriert hat, sollte hoffentlich für das große Buch des Lebens reichen.
Vom British Empire zur indischen Landstraße
Geboren 1911, als Indien noch Teil des Britischen Empire war, starb Singh im selbstbestimmten Indien des 21. Jahrhunderts – und das an einem Ort, der leider immer noch nicht genug für Fußgänger tut. Nach über einem Jahrhundert Ausdauerlauf ist er nun endgültig an der zivilisatorischen Stolperfalle „Straßenverkehr“ gescheitert. Da fragt man sich: Hätte es nicht wenigstens ein dramatischerer Abgang sein können? Ein Berglauf in Nepal? Ein Fallschirmsprung mit 114? Nein, es war die Straße. Fußgänger – immer noch die am wenigsten geschützte Spezies im globalen Mobilitätsdschungel.
Fauja Singh: Letzter Lauf ins Legendenreich
Fauja Singh hat uns gelehrt, dass Alter wirklich nur eine Zahl ist – und manchmal eine ziemlich beeindruckende. Er trug die olympische Fackel, während andere mit 80 nicht mehr wissen, wo sie ihr Hörgerät hingelegt haben. Und jetzt? Jetzt wird er wohl nachträglich doch noch Eingang ins Guinness-Buch finden – unter „absurdeste Todesursache eines Spitzensportlers.“
Ruhe in Frieden, Turban-Tornado. Die Welt hat einen Läufer verloren – und das Auto mal wieder gewonnen.