Die anhaltenden Sicherheitsrisiken im Roten Meer schlagen sich nun deutlich in den Kosten für die Handelsschifffahrt nieder: Nach einem erneuten Angriff der Huthi-Rebellen auf ein Frachtschiff steigen die Versicherungskosten für Reedereien massiv. Wie die Financial Times unter Berufung auf Branchenvertreter berichtet, haben sich die Prämien für sogenannte Kriegsrisikoversicherungen mehr als verdoppelt.
Demnach verlangen Versicherer aktuell bis zu ein Prozent des gesamten Schiffswerts für Schiffe, die das gefährdete Seegebiet im Roten Meer durchqueren wollen. Noch in der Vorwoche lagen die Sätze bei rund 0,4 Prozent. Für ein durchschnittliches Handelsschiff mit einem Versicherungswert von 100 Millionen US-Dollar bedeutet das einen Aufschlag von rund 300.000 Dollar – allein für eine einzelne Fahrt durch die Region.
Huthi-Angriffe nehmen wieder zu
Hintergrund der Entwicklung ist ein Angriff vom vergangenen Sonntag: Die Huthi-Rebellen, die sich selbst als Teil der antiwestlichen „Achse des Widerstands“ im Nahen Osten verstehen, hatten nach längerer Pause erneut ein Handelsschiff im Roten Meer angegriffen und versenkt. Bei dem Ziel handelte es sich um einen griechischen Frachter, der unter panamaischer Flagge unterwegs war. Der Vorfall markiert eine neue Eskalationsstufe im seit Monaten angespannten Seegebiet, das eine der wichtigsten Handelsrouten zwischen Europa und Asien darstellt.
Auswirkungen auf globale Lieferketten
Die steigenden Versicherungsprämien belasten vor allem kleinere Reedereien und Chartergesellschaften, die auf Margenstabilität angewiesen sind. Hinzu kommen steigende Betriebskosten durch Umwege – viele Unternehmen meiden das Rote Meer mittlerweile vollständig und nehmen die deutlich längere Route um das Kap der Guten Hoffnung in Kauf.
In der Summe führen diese Entwicklungen zu steigenden Frachtkosten, längeren Lieferzeiten und wachsendem Druck auf globale Lieferketten. Die Unsicherheit im Seegebiet hat somit längst wirtschaftliche Auswirkungen, die über die betroffene Region hinausreichen.
Internationale Reaktion bleibt begrenzt
Trotz internationaler Marineeinsätze, etwa der EU-Mission „Aspides“ oder der US-geführten Operation „Prosperity Guardian“, ist es bislang nicht gelungen, die Sicherheit im Roten Meer nachhaltig zu gewährleisten. Die Huthi-Rebellen agieren aus dem Jemen heraus und nutzen moderne Drohnentechnologie sowie ballistische Raketen, um Schiffe anzugreifen, die ihrer Ansicht nach mit Israel, den USA oder dem Westen in Verbindung stehen.
Experten warnen, dass die Lage sich weiter zuspitzen könnte, sollte es keine diplomatische Lösung geben oder die militärische Präsenz auf See nicht ausgeweitet werden.