In der nordwestchinesischen Provinz Gansu sorgt ein massenhafter Vergiftungsfall für Empörung und Entsetzen: Mehr als 200 Kinder eines Kindergartens mussten wegen Bleivergiftungen medizinisch behandelt werden. Wie die Stadtregierung mitteilte, wurden bei Untersuchungen in mehreren Lebensmitteln – insbesondere in Dattelkuchen – stark erhöhte Bleiwerte festgestellt.
Der Skandal nahm seinen Anfang, als mehrere Kinder mit Symptomen wie Müdigkeit, Bauchschmerzen und Entwicklungsstörungen in Krankenhäuser eingeliefert wurden. Schnell fiel der Verdacht auf die Ernährung in der Kita. Labortests bestätigten schließlich, dass in der Küche der Einrichtung mit einer giftigen, bleihaltigen Substanz gearbeitet worden war.
Ungenießbare Farbe in Lebensmitteln verwendet
Besonders schockierend: Nach offiziellen Angaben hatten Mitarbeitende des Küchenpersonals mit Wissen und Zustimmung des Kita-Betreibers eine Farbe über das Internet bestellt und beim Zubereiten von Speisen eingesetzt – offenbar zur optischen Aufwertung der Gerichte. Die Farbe war nach Behördenangaben jedoch klar als „nicht essbar“ gekennzeichnet. Dennoch wurde sie offenbar wiederholt verwendet.
Die chinesischen Strafverfolgungsbehörden reagierten umgehend: Insgesamt acht Personen wurden festgenommen, darunter der Betreiber des Kindergartens, ein Investor sowie mehrere Beschäftigte. Gegen sie wird nun wegen schwerer Gefährdung der öffentlichen Gesundheit und weiterer möglicher Straftatbestände ermittelt.
Aufarbeitung läuft – Regierung verspricht Konsequenzen
Die betroffenen Kinder befinden sich nach Behördenangaben in stabilem Zustand, viele wurden stationär behandelt, einige befinden sich weiterhin in ärztlicher Überwachung. Die Behörden kündigten an, sämtliche Lebensmittellieferungen in Bildungseinrichtungen der Region zu überprüfen und die Standards für die Beschaffung von Küchenmaterialien drastisch zu verschärfen.
In den sozialen Netzwerken Chinas hat der Fall heftige Reaktionen ausgelöst. Viele Nutzerinnen und Nutzer äußerten Wut über das Versagen der Aufsicht und fordern harte Strafen für die Verantwortlichen. Die zentrale Regierung in Peking betonte, man werde „null Toleranz“ gegenüber Verstößen gegen Lebensmittelsicherheit zeigen.
Hintergrund: Bleivergiftungen besonders gefährlich für Kinder
Blei ist ein hochgiftiges Schwermetall, das besonders für Kinder gefährlich ist. Selbst geringe Mengen können zu schweren Entwicklungsstörungen, Lernproblemen und Organschäden führen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Bleivergiftungen als eine der zehn größten Bedrohungen für die öffentliche Gesundheit ein – gerade in Regionen mit schwachen Kontrollen im Bereich Lebensmittel- und Produktsicherheit.
Der Vorfall in Gansu wirft ein Schlaglicht auf bestehende Lücken in Chinas Kontrollsystemen – und zeigt, wie schnell fahrlässiges Handeln dramatische gesundheitliche Folgen nach sich ziehen kann.