Alttextilien sind wertvolle Ressourcen – zumindest in der Theorie. In der Praxis jedoch landen viele dieser Stoffe im Müll, weil die Wiederverwertung zunehmend schwieriger wird. MDR AKTUELL-Hörer Daniel Gembris aus Dresden wollte wissen: „Es heißt, durch die Reform des Kreislaufwirtschaftsgesetzes hätte sich bei der Sammlung von Altkleidern etwas verändert. Ist das tatsächlich der Fall?“
Die Antwort: Nur teilweise – und die Veränderungen sind vielerorts kaum sichtbar.
Gesetzesreform soll Textilrecycling stärken
Zu Jahresbeginn wurde das deutsche Kreislaufwirtschaftsgesetz angepasst, um insbesondere die getrennte Erfassung von Alttextilien zu verbessern. Hintergrund ist die wachsende Menge an Textilabfällen und der Wunsch, mehr Stoffe im Kreislauf zu halten. Doch wie wirken sich die Neuerungen konkret aus?
In Dresden zeigt sich, dass gut funktionierende Strukturen bereits vor der Reform existierten. Für Thomas Kügler, Abteilungsleiter Abfallwirtschaft und Stadtreinigung, ist es deshalb ein positives Signal, dass die meisten Dresdnerinnen und Dresdner keine großen Veränderungen wahrgenommen haben. „Die Stadt war bereits gut aufgestellt“, sagt Kügler. „Wir verfügen über acht Wertstoffhöfe, zahlreiche Altkleidercontainer – sowohl gemeinnützig als auch privat betrieben.“
Die einzige nennenswerte Änderung infolge der Reform: Die Stadt hat ein neues Standortkonzept erarbeitet. „Die Container wurden neu verteilt. In einem Losverfahren wurden zehn Gebietslose gebildet, wodurch einige Anbieter ihre Container versetzen mussten“, erklärt Kügler.
Der wachsende Druck auf die Verwerter
Während sich die organisatorischen Strukturen nur leicht verschoben haben, liegt die eigentliche Herausforderung woanders: in der Verwertung selbst. Nur etwa fünf bis sechs Prozent der in Deutschland gesammelten Alttextilien können als Secondhand-Kleidung wieder verkauft werden – eine Zahl, die seit Jahren stagniert oder gar rückläufig ist.
Ein Hauptgrund ist die sogenannte Fast Fashion: Immer mehr, immer billiger produzierte Kleidung erreicht den Markt – oft aus minderwertigen Materialien, die sich weder für den Weiterverkauf noch für hochwertiges Recycling eignen. „Die Qualität der gespendeten Kleidung nimmt ab“, sagen viele Entsorgungsunternehmen. Was früher in Secondhand-Läden landete, ist heute oft nur noch als Putzlappen oder Dämmmaterial zu gebrauchen – wenn überhaupt.
Was gehört wohin?
Auch wenn das neue Gesetz mehr Klarheit bringen sollte, gibt es bei Verbraucherinnen und Verbrauchern weiterhin Unsicherheit. So gilt nach wie vor: Nur tragbare Alttextilien gehören in die Altkleidercontainer. Stark verschmutzte oder beschädigte Kleidung, sowie Putzlappen, landen zu Recht im Restmüll. Die Gesetzesänderung hat hier keine neuen Maßstäbe gesetzt – doch offenbar für Verwirrung gesorgt.
Fazit: Gute Absichten, schwierige Umsetzung
Die Neufassung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes hat das Ziel, das Textilrecycling zu stärken. In der Praxis jedoch bleibt die Branche unter Druck: steigende Mengen, sinkende Qualität, geringe Weiterverwertung. Städte wie Dresden zeigen, dass eine funktionierende Erfassungsstruktur helfen kann – doch ohne bessere Produkte und ein Umdenken im Konsumverhalten bleibt das Textilrecycling ein schwieriges Geschäft.