Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag ist erneut Opfer einer gezielten und raffiniert durchgeführten Cyberattacke geworden. Wie ein Sprecher des Gerichts mitteilte, handelte es sich um einen „hochentwickelten und spezifisch auf das Gericht zugeschnittenen Angriff“. Weitere Details über den Vorfall, etwa zur Herkunft oder zum genauen Umfang des Angriffs, wurden aus Sicherheitsgründen bislang nicht veröffentlicht. Die internen IT-Sicherheitsteams des Gerichts arbeiten gemeinsam mit internationalen Ermittlungsbehörden an der Aufklärung.
Bereits im Jahr 2023 war der Strafgerichtshof Ziel eines ähnlichen Angriffs geworden. Damals stellte sich heraus, dass es sich um einen professionell ausgeführten Spionageversuch handelte, bei dem mutmaßlich staatlich unterstützte Akteure versuchten, an sensible Verfahrensdaten und Kommunikation zu gelangen. Der neuerliche Vorfall weckt nun erneut Sorgen hinsichtlich der digitalen Sicherheit internationaler Institutionen und der Bedrohung durch geopolitisch motivierte Cyberoperationen.
Der Internationale Strafgerichtshof befasst sich mit der juristischen Aufarbeitung besonders schwerwiegender Straftaten wie Völkermord, Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Verbrechen der Aggression. Besonders im Fokus stehen dabei seit einiger Zeit auch hochrangige politische Akteure. So hatte der IStGH im Jahr 2023 einen viel beachteten internationalen Haftbefehl gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin ausgestellt – ihm wird die Verschleppung ukrainischer Kinder aus den besetzten Gebieten vorgeworfen, ein mutmaßlicher Verstoß gegen internationales Völkerrecht.
Jüngst sorgten zudem Haftbefehle im Zusammenhang mit dem Gazakrieg für weltweite Aufmerksamkeit. Der Gerichtshof geht juristisch gegen führende Politiker beider Konfliktparteien vor: Gegen Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und den früheren Verteidigungsminister Joav Gallant wurden Haftbefehle wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen erlassen, ebenso gegen mehrere hochrangige Vertreter der palästinensischen Terrororganisation Hamas.
Angesichts dieser hochsensiblen Ermittlungen und der damit verbundenen geopolitischen Spannungen rückt die Frage nach dem Schutz internationaler Justizinstitutionen gegen digitale Angriffe immer stärker in den Vordergrund. Kritiker fordern bereits eine deutliche Aufstockung der IT-Sicherheitsbudgets und eine engere Zusammenarbeit mit internationalen Cyberabwehrstrukturen.
Ob die aktuelle Cyberattacke im Zusammenhang mit laufenden Verfahren steht oder eine neue Form digitaler Einflussnahme auf die Arbeit des Gerichts darstellt, bleibt zum jetzigen Zeitpunkt unklar. Der Internationale Strafgerichtshof betonte jedoch, man werde sich in seiner Arbeit nicht einschüchtern lassen.