Kasachstan plant, seine Rohölexporte nach Deutschland im Jahr 2025 deutlich zu steigern. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax Kasachstan, die sich auf eine aktuelle Präsentation des staatlichen Energieunternehmens Kazmunaygas (KMG) stützt, sollen die Liefermengen auf zwei Millionen Tonnen anwachsen – ein Plus von rund 33 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2024 hatte das zentralasiatische Land noch 1,5 Millionen Tonnen nach Deutschland geliefert.
Der Ausbau der Ölexporte ist Teil einer gezielten Strategie Kasachstans, seine Position als verlässlicher Energiepartner Europas zu stärken. Hintergrund ist unter anderem der russische Angriffskrieg auf die Ukraine, der zu einer Neuordnung der globalen Energiemärkte geführt hat. Deutschland bemüht sich seitdem verstärkt, sich von russischen Energieträgern unabhängig zu machen. Kasachstan, das über reiche Öl- und Gasvorkommen verfügt, rückt dabei als geopolitisch relevanter Partner in den Fokus.
Druschba-Pipeline weiter zentraler Korridor
Die kasachischen Rohöllieferungen erfolgen über die Druschba-Pipeline, die durch Russland verläuft, jedoch trotz der EU-Sanktionen in einer Ausnahme weiterhin für den Transport von kasachischem Öl genutzt werden darf. Deutschland hatte sich im Zuge der Energiekrise nach 2022 mit der EU auf diese Sonderregelung geeinigt, um weiterhin Importe aus Drittstaaten zu ermöglichen, solange diese nicht aus Russland stammen.
Energieabhängigkeit reduzieren, Versorgung diversifizieren
Deutschland hatte im Jahr 2024 insgesamt rund 78 Millionen Tonnen Rohöl importiert. Der kasachische Anteil an den Gesamteinfuhren war bislang vergleichsweise gering, lag aber bereits bei etwa zwei Prozent. Mit der geplanten Steigerung auf zwei Millionen Tonnen würde Kasachstan in der Rangliste der deutschen Öllieferländer weiter aufsteigen – ein wichtiges Signal in Richtung Energieunabhängigkeit.
Ausbau langfristiger Partnerschaften
Die vertieften Handelsbeziehungen im Energiesektor könnten perspektivisch auch auf weitere Bereiche ausgeweitet werden, etwa im Hinblick auf grüne Wasserstoffprojekte, Seltene Erden oder technologische Kooperationen. Kasachstan verfolgt selbst ehrgeizige Pläne zur Dekarbonisierung und zum Ausbau erneuerbarer Energien, was zusätzliche Anknüpfungspunkte für eine erweiterte Partnerschaft mit Deutschland bieten könnte.
Fazit: Ein Schritt zur energiepolitischen Resilienz
Die geplante Erhöhung der kasachischen Öllieferungen ist zwar mengenmäßig im Vergleich zu den Gesamtimporten Deutschlands überschaubar, doch politisch und wirtschaftlich bedeutsam. Sie ist Ausdruck einer strategischen Neuausrichtung in der deutschen Energiepolitik und unterstreicht die zunehmende Bedeutung Kasachstans als stabiler, nicht sanktionierter Partner in einer sich wandelnden Weltordnung. Sowohl Berlin als auch Nur-Sultan (Astana) senden damit ein deutliches Signal der Kooperation und wechselseitigen Verlässlichkeit.