Die Spannungen zwischen Israel und Iran haben sich in der Nacht zum Samstag drastisch verschärft. Beide Länder griffen sich gegenseitig mit Raketen und Drohnen an. Es war der bislang heftigste Schlagabtausch im eskalierenden Konflikt – und könnte laut Experten einen regionalen Flächenbrand auslösen.
Israel greift Irans Gasinfrastruktur an – Iran kontert mit Raketenbeschuss
Erstmals traf Israel mit einem Luftangriff die Energieinfrastruktur Irans: Im größten Erdgasfeld der Welt, South Pars im Süden Irans, brach nach einem mutmaßlichen israelischen Angriff ein Feuer aus. Die Gasproduktion wurde teilweise gestoppt, meldete die iranische Nachrichtenagentur Tasnim.
Teheran reagierte mit einer Welle von Raketen und Drohnen, die auf israelisches Gebiet abgeschossen wurden. In der nordisraelischen Stadt Haifa starb eine junge Frau, mindestens 13 weitere Menschen wurden verletzt, als ein Haus von einer Rakete getroffen wurde.
Laut dem israelischen Militär wurden währenddessen auch Ziele in Teheran direkt angegriffen – unter anderem ein Öldepot im Stadtteil Shahran, dessen Brand laut Iran unter Kontrolle sei.
Nuklear-Gespräche abgesagt – USA fordern Deeskalation
Iran sagte daraufhin geplante Nukleargespräche in Oman mit den USA ab. Außenminister Abbas Araqchi begründete dies mit den „barbarischen Angriffen Israels“. Washington hatte zuvor erklärt, diese Gespräche seien der einzige Weg, um Israels Offensive zu stoppen.
US-Präsident Donald Trump zeigte sich alarmiert und forderte Teheran zu einem Kurswechsel auf. Eine Einigung sei „noch nicht ausgeschlossen“, wenn der Iran „sein Atomprogramm drastisch zurückfahre“, so Trump. Zugleich warnte er vor „noch schlimmeren Konsequenzen“.
Zahlreiche Tote, massive Zerstörung
Iranische Behörden meldeten 78 Tote am ersten Tag der Angriffe, darunter viele Zivilisten. Am zweiten Tag kamen laut offiziellen Angaben weitere Dutzende Menschen ums Leben, darunter 29 Kinder, als ein 14-stöckiges Wohnhaus in Teheran durch einen Raketenangriff einstürzte.
Auch in Israel gab es mindestens drei Tote durch iranische Raketen. Beide Seiten beklagen eine Vielzahl von Verletzten.
Droht ein regionaler Krieg?
Israels Premierminister Benjamin Netanjahu sagte in einer Fernsehansprache:
„Das, was Iran bisher gesehen hat, ist nur der Anfang. Wenn das Regime in Teheran so weitermacht, wird es einen Preis zahlen, wie nie zuvor.“
Er rief die Bevölkerung Irans auf, sich gegen ihre „religiösen Unterdrücker“ zu erheben. Die Menschenrechtsorganisation B’Tselem warnte, die israelische Regierung habe sich gegen eine diplomatische Lösung entschieden und gefährde damit die Stabilität der gesamten Region.
Teheran wiederum drohte, auch Militärstützpunkte westlicher Staaten anzugreifen, sollten diese bei der Raketenabwehr Israels helfen.
Hintergrund: Kampf um das Atomprogramm
Israel betrachtet das iranische Atomprogramm als existenzielle Bedrohung. Teheran beharrt darauf, es sei ausschließlich zivil. Dennoch berichtete die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) erst vergangene Woche, dass der Iran gegen internationale Abkommen verstoßen habe – ein Schritt, den viele als Annäherung an eine waffenfähige Bombe werten.
Ausblick
Die Eskalation zwischen Israel und Iran lässt eine Ausweitung auf Nachbarstaaten und globale Großmächte immer wahrscheinlicher erscheinen. Zwar sind Irans wichtigste regionalen Verbündeten – Hamas in Gaza und Hisbollah im Libanon – durch vorangegangene Konflikte erheblich geschwächt. Doch das Risiko eines Flächenbrands in Nahost war seit Jahren nicht mehr so hoch wie jetzt.
Die nächsten Tage dürften entscheidend sein – entweder für eine letzte diplomatische Annäherung oder den Beginn eines umfassenden Krieges.