Der milliardenschwere Wettlauf im All geht in die nächste Runde: Nachdem Elon Musk mit seinem Unternehmen SpaceX und dem Starlink-Projekt seit Jahren den Markt für satellitengestütztes Internet dominiert, will nun auch Amazon-Gründer Jeff Bezos mit seinem Projekt Kuiper in den lukrativen Wettbewerb einsteigen.
Nach dem erfolgreichen Start der ersten 27 Kuiper-Satelliten am 28. April plant Amazon nun den zweiten Start für den 16. Juni – wieder mit 27 Satelliten an Bord. Sollte die Mission gelingen, würden damit insgesamt 54 Kuiper-Satelliten die Erde umkreisen – ein erster Schritt hin zu den geplanten 3.232 Satelliten, die zukünftig Hochgeschwindigkeitsinternet in abgelegene Regionen der Welt bringen sollen.
Projekt Kuiper: Amazons Antwort auf Starlink
Amazon beschreibt Kuiper als ein globales Satellitennetzwerk, das mit Bodenstationen, Antennen und Glasfaserleitungen verbunden ist. Ziel ist es, Regionen mit schlechter Internetanbindung – sogenannte „unversorgte oder unterversorgte Gemeinschaften“ – zuverlässig zu versorgen.
Die erste Mission, Kuiper Atlas 1, wurde mit einer Atlas-V-Rakete von der United Launch Alliance (ULA) ins All befördert. Die zweite Mission am 16. Juni soll ebenfalls vom Cape Canaveral Space Force Station in Florida starten und die bisher größte Nutzlast der Atlas-V-Rakete transportieren.
Nach dem Aussetzen der Satelliten in etwa 450 Kilometern Höhe steigen diese mithilfe von elektrischen Antriebssystemen auf ihre endgültige Umlaufbahn in rund 630 Kilometern Höhe auf. Von dort aus umkreisen sie die Erde alle 90 Minuten und sollen perspektivisch schnelle und stabile Verbindungen für Videokonferenzen, Streaming und Online-Gaming ermöglichen.
Elon Musk hat Vorsprung – aber Bezos zieht nach
Seit 2019 hat Elon Musks SpaceX mehr als 7.000 Starlink-Satelliten in den niedrigen Erdorbit gebracht – mit regelmäßigen Starts der wiederverwendbaren Falcon-9-Raketen. Starlink bietet bereits Internetdienste in vielen Teilen der Welt an und hat sich insbesondere in Krisenregionen als robust erwiesen.
Jeff Bezos hat mit Amazon jedoch einen Zehn-Milliarden-Dollar-Plan für Kuiper vorgelegt, inklusive eines neuen 100.000 Quadratfuß großen Satellitenverarbeitungszentrums am Kennedy Space Center. Künftig sollen rund 80 Raketenstarts die komplette Kuiper-Konstellation in den Orbit bringen.
Bis Blue Origins eigene New Glenn-Rakete bereit ist, setzt Amazon auf Partner wie ULA, Arianespace – und sogar SpaceX selbst. Fünf weitere Starts könnten laut ULA-CEO Tory Bruno noch in diesem Jahr folgen.
Ausblick: Erste Kuiper-Dienste ab Ende 2025
Amazon plant, erste Internetdienste Ende 2025 bereitzustellen – zunächst in Regionen mit niedriger Siedlungsdichte im Norden und Süden der Erde. Ab rund 578 Satelliten könnte das System laut einer FCC-Anmeldung bereits erste Dienste anbieten, mit Erweiterung in Richtung Äquator, sobald mehr Satelliten im Orbit sind.
Trotz des Rückstands gegenüber Starlink zeigt sich Amazon zuversichtlich, mit der technologisch überarbeiteten ersten Kuiper-Generation konkurrenzfähig zu sein – ein deutliches Signal, dass der Markt für Satelliteninternet künftig nicht mehr nur von einem Anbieter dominiert wird.
Hintergrund:
Satelliteninternet gilt als Hoffnungsträger für die digitale Infrastruktur der Zukunft – vor allem in Gegenden ohne Glasfaseranschluss oder Mobilfunknetz. Die Entwicklung ist zugleich geopolitisch und wirtschaftlich hochrelevant, denn Kontrolle über globale Datenströme bedeutet auch strategische Macht.