Ein besonders perfider Betrugsfall erschüttert derzeit die Stadt Germering bei München: Betrüger haben ein Kind durch eine dreiste Lügengeschichte um eine sechsstellige Geldsumme gebracht. Die Täter nutzten gezielt die Ängste des Kindes aus und spielten mit dessen Sorge um den Vater.
Der Albtraum begann mit einem Anruf auf dem Festnetzanschluss der Familie. Am anderen Ende der Leitung meldete sich ein angeblicher Polizist. Mit ernster Stimme schilderte er dem Mädchen eine dramatische Geschichte: Ihr Vater habe einen schweren Verkehrsunfall verursacht, bei dem ein Mensch zu Schaden gekommen sei. Die Konsequenz drohe nun in Form einer sofortigen Inhaftierung. Nur eine rasche Zahlung einer hohen Kaution könne die drohende Gefängnisstrafe noch abwenden.
Völlig aufgelöst und voller Angst um ihren Vater begann das Kind daraufhin, das gesamte Haus nach Bargeld und Wertgegenständen zu durchsuchen. Schmuck, Bargeld – alles, was von Wert erschien, wurde zusammengetragen. Im festen Glauben, das Richtige zu tun und dem Vater zu helfen, übergab das Kind die Wertsachen wenig später einem bislang unbekannten Abholer im Zentrum der Kleinstadt.
Erst später stellte sich das ganze Ausmaß des Betrugs heraus. Nach Angaben der Polizei liegt der Gesamtschaden im niedrigen sechsstelligen Bereich – also bei mehr als 100.000 Euro. Von den Tätern fehlt bislang jede Spur. Die Polizei ermittelt auf Hochtouren und bittet mögliche Zeugen, sich zu melden.
Die Ermittler warnen erneut eindringlich vor dieser mittlerweile weit verbreiteten Masche des sogenannten „Schockanrufs“ oder „Enkeltricks“. Gerade in Stresssituationen und bei Angehörigen, die sich Sorgen um ihre Liebsten machen, gelingt es den Betrügern immer wieder, mit geschickter Manipulation hohe Geldsummen zu ergaunern.
Die Polizei appelliert: „Geben Sie am Telefon niemals persönliche Informationen preis, lassen Sie sich nicht unter Druck setzen und übergeben Sie niemals Geld oder Wertsachen an unbekannte Personen.“
Für die betroffene Familie bleibt die Tat ein schwerer Schock – sowohl wegen des enormen finanziellen Schadens als auch wegen des hinterhältigen Missbrauchs kindlichen Vertrauens.