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Lachmöwe in Not: Seevogel des Jahres in Mecklenburg-Vorpommern kämpft ums Überleben

Erik_Karits (CC0), Pixabay

Einst mit Misstrauen betrachtet, heute vom Aussterben bedroht: Die Lachmöwe, Deutschlands Seevogel des Jahres, befindet sich im dramatischen Sinkflug. Während die Bestände in den 1980er-Jahren allein an der Küste bis zu 66.000 Brutpaare zählten, sind es in Mecklenburg-Vorpommern heute nur noch etwa 16.000 – Tendenz fallend.

Vom „Problemvogel“ zur Schutzpriorität

Lange galt die Lachmöwe als Plage: Fischräuber, Nistplatzkonkurrent, Bedrohung für andere Küstenvögel – so das historische Urteil. Bis in die 1990er-Jahre wurden Gelege zerstört, Jungtiere getötet und adulte Vögel vergiftet. Christof Herrmann, Leiter der AG Küstenvogelschutz in MV, spricht rückblickend von einer ethisch fragwürdigen und ineffektiven Regulierungspolitik. Die Erkenntnis, dass Lachmöwen wichtige Schutzpartner für andere Arten wie die Fluss- und Brandseeschwalbe sind, kam erst später.

Der Fall der Kolonien – ein ungelöstes Rätsel

Trotz wachsender Schutzbemühungen begann der massive Bestandsrückgang schon ab Mitte der 1980er-Jahre. Auch heute bleiben die Ursachen unklar. Vermutet werden:

  • Veränderungen in der landwirtschaftlichen Nutzung (z. B. weniger Hackfruchtanbau)
  • der Wegfall offener Müllhalden als Nahrungsquelle
  • Verdrängung durch Prädatoren wie Fuchs und Marderhund
  • sowie allgemeine Lebensraumverluste

Herrmann betont:

„Noch in den 1980er-Jahren war jeder Dorftümpel mit einer Lachmöwenkolonie besetzt – dieses Bild ist heute verschwunden.“

Die neue Bedrohung: Vogelgrippe

Seit 2023 trifft die Vogelgrippe (Geflügelpest) auch die Lachmöwen hart – erstmals ganzjährig und mitten in der Brutsaison. Besonders betroffen waren auch Flussseeschwalben, die häufig mit Möwen gemeinsam brüten. Die Krankheit fordert hohe Verluste in den Brutkolonien, was die Art weiter unter Druck setzt.

Hoffnung am Oderhaff

Einziger Lichtblick: Das Oderhaff, wo aktuell 5.500 Brutpaare auf der Vogelschutzinsel Riether Werder nisten – ehemals Deutschlands größte Lachmöwenkolonie. Dort finden sie offenbar noch genug Nahrung, etwa Zuckmücken und Kleinfische, was für das Überleben der Küken entscheidend ist. Schutzmaßnahmen wie das Fernhalten von Füchsen zeigen Wirkung.

Fazit: Arten- und Naturschutz braucht Erkenntnis

Die Geschichte der Lachmöwe zeigt, wie schnell sich der Blick auf eine Art wandeln kann – vom Schädling zum ökologisch wichtigen Partner. Doch trotz Schutzinseln wie am Oderhaff bleibt ihre Zukunft ungewiss. Mehr Forschung, Monitoring und öffentliches Bewusstsein sind laut Experten wie Herrmann entscheidend:

„Nur was verstanden wird, wird auch geschützt.“

Hintergrund: Die Lachmöwe (Chroicocephalus ridibundus) ist nicht nur an ihren dunkelbraunen Köpfen zur Brutzeit erkennbar – sie ist auch ein Symbol für den Wandel im Naturschutzdenken. Dass sie 2025 zum Seevogel des Jahres gekürt wurde, soll auf ihren kritischen Zustand aufmerksam machen.

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